Beauty: Mythen & Methoden – alles über die Haarentfernung

13.10.2020 Beauty

Wisst ihr, was ich immer wieder feststelle? Dass die Toleranz für andere Schönheitsideale in der Beauty noch immer begrenzt ist. Und genau diese Einschätzung hat sich während meiner Recherche für diesen Artikel wieder leider bestätigt: Zwar bin ich auf sehr unterschiedliche Ansichten und Vorlieben im Umgang mit Körperhaaren gestoßen, dennoch waren sie kaum wertfrei — ganz gleich, in welche Richtung die Meinungen auch gingen. Irgendwie scheint es nur Schwarz-Weiß zu geben: À la:

Die Frage, die sich mir also unweigerlich stellte, lautet: Bin ich der gesellschaftlichen Sozialisierung unterworfen, wenn ich meine Körperhaare entferne? 


Ich selbst habe nämlich schon alle Formen der Körperhaarentfernung getestet. Rasieren, Waxing, Sugering, Epilierer und auch Laser. Im Sommer entferne ich mir meine Haare an den Beinen regelmäßig, im Winter gerne auch über Wochen gar nicht. Ich würde sagen, ich habe ein normales Verhältnis zu meinen Haaren am Körper. Ich schäme mich nicht, mit unrasierten Achseln auf die Straße zu gehen, noch sehe ich meine langen Achselhaare als einen Protest gegen Geschlechternormen.

© Estrid*

© Estrid*

In meinem Umfeld haben Frauen* und Männer* die unterschiedlichsten Angewohnheiten, was ihre Körperenthaarung betrifft. Der Clou daran ist, Diversität zu akzeptieren, denn Körperhaare sind stinknormal. Und jede*r hat sie! Manche mehr und manche weniger, schon klar. Dennoch sollten wir uns und andere positiv bestärken, statt eine Beurteilung aufgrund von Körpern, vermeintlichen „Verschönerungen“ oder schonungsloser „Natürlichkeit“ vorzunehmen. Kurzum: Nur, weil ich momentan also glatt rasierte Achseln habe, fühle ich mich nicht weniger feministisch. Was wir uns aber sehr wohl immer wieder fragen sollten: Aus welchen Gründen wir an uns herumwurschteln und in diesem Fall, eben unsere eure Körperhaare entfernen. Ist es die blanke Sehgewohnheit, ist es ganz einfach hinein sozialisiert oder finde ich es wirklich schöner? Ihr müsst diese Frage für euch selbst beantworten, aber werdet nicht müde, sie euch zu stellen.

Schon klar: Wenn ihr eure Haare nicht dauerhaft entfernen lasst, könnt ihr die Frage auch zu jedem Zeitpunkt wieder mit eurem Haarwuchs beantworten. Vielleicht so, wie beim nächsten Friseurbesuch: Heute glatt und in zwei Wochen wieder wie Patti Smith in den 80ern. 

© Estrid*

Um noch mal auf die gesellschaftliche Sozialisierung der Haarentfernung einzugehen, muss man wissen, dass Körperhaarentfernung keine moderne Erfindung ist, denn die ersten Funde von Rasierschabern aus Stein oder Muscheln stammen bereits aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. . Damals spielten schon ästhetische Gründe, aber auch hygienische und religiöse, eine große Rolle. Im alten Ägypten wurde die Enthaarungspaste Halawa erfunden, in orientalischen Kulturkreisen ist sie immer noch weit verbreitet und entspricht heutzutage der aus Zucker, Wasser und Zitrone bestehenden Sugering-Paste.

So, jetzt aber genug davon, denn ich möchte heute für alle, die gerne ihre Körperhaare entfernen lassen, nicht nur auf die gängigen Methoden eingehen, sondern dabei auch einige Mythen enthüllen.

MYTHEN

 
 
 
 
 
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  • Der Mythos, der sich am wohl hartnäckigsten hält, ist wohl, dass mehr Haare nach der Rasur wachsen. Nein, nein, das stimmt nicht. Durch die Rasur werden nämlich keine neuen Haarwurzeln oder dergleichen angeregt. Was man allerdings feststellen wird, ist, dass die Haare kräftiger aussehen. Man hat das Gefühl, sie seien dicker geworden, was daran liegt, dass der Rasierer sie in der Mitte durchtrennt, also quasi an der dicksten Stelle glatt abschneidet. So wächst das Haar dann auch wieder aus der Haut. Beim Waxing oder Sugering ist das natürlich nicht so, hier wird das Haar im besten Fall aus der Wurzel gezogen und wäschst mit dünnerer Spitze nach.
  • Ein weiterer Mythos, der dagegen wahr ist und durch Studien bestätigt wurde: Haare wachsen im Sommer schneller und in den kälteren Monaten wie Januar und Februar langsamer.
  • Noch ein Mythos,  der sich letztlich als Wahrheit entpuppt hat, besagt, dass sich das Haarwachstum bei regelmäßigem Sugering oder Waxing verringert. Das liegt daran, dass bei jeder Prozedur ein paar Haarwurzeln mit entfernt werden − und an dieser Stelle wächst erst mal kein Haar nach.
  • Dass alle Haare gleichzeitig wachsen, ist hingegen wieder ein Mythos. Nur circa 30 Prozent der Haare befinden sich gleichzeitig in der Wachstumsphase. Deshalb werden sowohl beim Lasern als auch bei Waxing/Sugering mehrere Sitzungen benötigt, um auf ein zufriedenstellendes Ergebnis zu kommen. Und das ist natürlich auch der Grund, warum nach dem Rasieren direkt wieder Haare sichtbar werden.
  • Leider kein Mythos: Haarentfernung verursacht eingewachsene Haare und somit Pickelchen. Die nachwachsenden Haare finden den Weg nicht mehr durch den Haarkanal, sie verirren sich quasi auf dem Weg zur Oberfläche. Beim Rasieren ist es so, dass Talg und Hautschüppchen den Weg zusätzlich versperren können. Regelmäßiges Peeling hilft dagegen, den Haare wieder den freien Wachstum zu ermöglichen.

METHODEN DER HAARENTFERNUNG

Rasur

Die Rasur ist in fast jedem Badezimmer hegemonial. Die Haare sind im Nu weg, aber leider auch sehr schnell wieder nachgewachsen. Heutzutage ist es jedoch die meist verbreitete Art der Haarentfernung. Dabei werden die Haare gegen die Haarwuchsrichtung von Klingeln abgesäbelt. Es gibt sowohl Trocken- als auch Nassrasierer.

Waxing

Bei dieser Methode wird warmes Wachs in Haarwuchsrichtung aufgetragen und dann schnell gegen die Haarwuchsrichtung abgezogen. So kann man relativ schnell große Flächen, wie etwa Beine, enthaaren. Die Haare müssen allerdings ein bisschen nachwachsen, damit man sie mit dem Wachs gut erwischt.

Sugering

Hier wird ein klebriger Zuckerpasten-Bobbel über die zu enthaarende Stelle gedrückt und dann in Haarwuchsrichtung abgezogen. Mir tut diese Art der Haarentfernung, ehrlich gesagt, mehr weh als das Waxing, denn es ist ein kontinuierlicher Schmerz. Dafür ist Sugering präziser und greift auch sehr kurze Haare ab.

Egal ob Waxing oder Sugering, je öfter und regelmäßiger man es macht, desto länger werden die Phasen ohne Haare. Denn erst nach einiger Zeit erwischt man auch alle Haare der unterschiedlichen Wachstumsphasen. Natürlich sollte man zwischen den Behandlungen nicht rasieren.

Laser

Da ich selbst keine Expertin bin, habe ich mir hier bei Senzera ein wenig Unterstützung geholt und mir die gängigen Lasermethoden (SHR und IPL) erklären lassen. Denn wenn es um das Lasern geht, solltet ihr nur Profis an eure Haut, die wirklich wissen was sie tun, lassen. Das Prinzip ist relativ einfach, hier werden Licht- beziehungsweise Energieimpulse durch das Melanin der Haare in die Haarfollikel geleitet und dort erhitzt. Diese Hitze zerstört die Keimzelle in der Haarwurzel nachhaltig. Durch die moderne Technologie der Geräte können fast alle Haut- und Haartypen behandelt werden. Eines solltet ihr wissen: Bisher funktionieren die Laser noch nicht bei grauen oder weißen Haaren, da sie kein Melanin enthalten. Ich würde auf jeden Fall einen Beratungstermin wahrnehmen und mir alles zeigen und erklären lassen. So kann im Vorfeld sichergestellt werden, ob die Haare und der Hauttyp für eine Behandlung überhaupt infrage kommen.

IPL steht für Intense Pusled Light, hier wird Licht in unterschiedlichen Wellenlängen in die Haarwurzel geleitet. Dort wird der Lichtimpuls dann in Wärme umgewandelt und zerstört die Haarwurzel. Anschließend fallen die Haare nach und nach aus. Diese Methode war lange dafür bekannt, nur bei sehr dunklen Haaren zu funktionieren.

SHR steht für Super Hair Removal und im Unterschied zu IPL wird hier die Keimzelle in der Haarwurzel nicht nur über das Melanin zerstört, auch die Stammzellen, die die Haarfollikel versorgen, werden erhitzt, wodurch sie die Haarwurzel wiederum nicht mehr versorgen können. Als Folge fallen die Haare aus.

Wichtig zu wissen: Solltet ihr wirklich über Lasern als Haarentfernungsmethode nachdenken, wäre jetzt zur kälteren Jahreszeit der richtige Zeitpunkt, da ihr die betroffenen Stellen optimal vor Sonneneinstrahlung schützen könnt. 

Das Wichtigste zum Schluss: Egal, was ihr mit euren Körperhaaren macht oder eben auch nicht, tut es für euch und nicht für andere. Es gibt so viele Schönheitsideale da draußen; ihr müsst jedoch nur eurem eigenen gerecht werden. Und nicht zu vergessen: Geht respektvoll mit anderen Idealen und Meinungen um, auch wenn sie nicht euren eigenen entsprechen.

 

* Estrid sucht den Professional Super Hairo. Die schwedische Rasierer-Brand sucht nicht nach dem nächsten Kampagnengesicht, sondern dem nächsten behaarten Bein, Zeh, oder der nächsten behaarten Achselhöhle. Wichtig ist lediglich, dass sich die Bewerber*innen wohl fühlen & stolz darauf sind ihre Haare zu präsentieren. Mehr Infos findet ihr hier. / Unbezahlte Werbung.

 
 
 
 
 
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