4 ways to wear // Stiefel, die ich niemals tragen wollte

12.10.2020 Mode, Outfit, Wir, Schuhe, Shopping

Neulich, während eines Themen-Meetings, kamen Julia und ich von Stöckchen auf Steinchen, wir fragten uns, ob wir nun endgültig irre oder zu unseren eigenen Müttern mutiert waren, ob in uns womöglich doch noch ein paar waschechte Pferdemädchen-Sehnsüchte schlummerten, oder ob wir, was beinahe am schlimmsten wäre, letztendlich einfach der Trendwurst auf den Leim gegangen waren. Denn Stiefel starrten wir plötzlich beide aus der Ferne an. Nein, wir schmachteten. Waren fast schon beschämt ob unserer Begeisterung. Schließlich hatten wir schon viel zu lange darauf herum geritten, dass uns allerhöchstens Cowboy Boots in die Tüte kommen würden, komme was wolle. Wie zwei Dackelwelpen mit eingezogenen Schwänzen verließen wir schließlich das Meeting. Und während Julia diesen Artikel tippte, kaufte ich mir bei Monki ein paar vegane Stiefel, die mir bis zu den Knien reichen.

Ungefähr zwei Wochen lang taten diese Stiefel keiner Fliege etwas zuleide, nein, sie standen einfach nur in der Gegend rum, wie auf dem Präsentierteller, ready to be worn, aber trotzdem unberührt. Als müssten wir uns erst ganz vorsichtig aneinander gewöhnen. Hin und wieder schlüpfte ich kurz hinein, aber nur um in Windeseile wieder heraus zu springen. Wollte mir ja selbst dieses herrliche Bild, das sich da in meinem Kopf von der Liaison zwischen mir und den langen Lulatschen geformt hatte, nicht zerstören – bloß weil ich mir nicht die Mühe gemacht hatte, etwas anderes als meinen Bademantel dazu zu kombinieren. Manches braucht eben Zeit. Und die nahm ich mir.

Bis ich plötzlich jeden Skrupel verlor und vier Tage am Stück meine Stiefel durch die Welt trug als hätte ich sowieso noch nie etwas anderes an den Füßen getragen:

 

1. Landflucht

Jacke: Barbour x Alexa Chung, Rock: 2nd Hand,
Top: Staud

Es war warmkalt, irgendetwas zwischen süßem Herbst und rauem Winter, die Temperatur okay, der Himmel saugrau. Wir wollten in den Park, ein bisschen spazieren und Ausschau nach Vögeln halten, weshalb ich eine Wachsjacke überwarf und in der Abstellkammer nach meinem Gummistiefeln suchte. „Mach hinne und zieh doch einfach die hier an“, rief das Kind da plötzlich, während es mir die ihr wisst schon wens ungeduldig vor die Füße schmiss. Okay, kein Problem, schon gut. Als wir zurück kamen, war es jedenfalls längst um mich geschehen. Bequem und warm war mein Nachmittag gewesen. Und was ich außerdem zu schätzen lernte: Endlich mal keine Sneaker oder Boots durch die Gegend zu tragen, sondern etwas, das meine Beine seit Jahren nicht gesehen hatten. Hurra. 

2. Ab ins Sekretariat, bitte!

 

Mantel: Baum und Pferdgarten, Shirt: Black Spring,
Rock: Baum und Pferdgarten

Für gewöhnlich mache ich mir weder etwas aus Klischees noch aus Stilregeln, aber diesmal war es ein bisschen anders, so ehrlich mag ich gern sein. Ich wusste an diesem Morgen nämlich, dass ich in der Schule meines Kindes noch kurz etwas zu besprechen hatte (ich bin nämlich tatsächlich Elternvertreterin, wer hätte das gedacht), weshalb ich, so hirnverbrannt und rückschrittig dieser Gedanke auch sein mag, zumindest ein Stück weit darauf achtete, wie eine Erwachsene auszusehen – und nicht wie mein 16-jähriges Ich, das gleich zum Bikini Kill Konzert abzockelt. Es wurde also ein braver, wadenlanger Rock in Kombination mit ordentlich gebürstetem Haar und meinem karierten Mantel. Favoritenpotenzial.

3. Zwo, drei, Risiko:

 

Kleid: Paloma Wool

Es gibt gerade ziemlich oft ziemlich wenig zu lachen, weshalb ich mir vorgenommen habe, meinen Optimismus bis an seine Grenzen zu treiben und noch mehr Gutes in all dem Elend zu sehen als sowieso schon. Weil ich in Kreuzberg und damit in einem Corona-Risikogebiet lebe, in dem die Bürgersteige jetzt wieder sehr zeitig hoch geklappt werden, machen wir es uns zuhause als Familie also wieder doppelt gemütlich und versuchen, so wenig wie möglich zu motzen. Stattdessen trage ich in Zoom-Meetings sogar wieder Sommerkleider. Und wenn ich dann doch raus muss, wohin auch immer, dann werfe ich mit den dicksten Pullover über, den ich finden kann, fertig.

4. Fast alles richtig gemacht:

 

Pullover: Ganni (älter, hier 2nd Hand), Kleid: Ganni

Den hier zum Beispiel. Beim Betrachten der Bilder überkommt mich ehrlich gesagt dieses uns allen schwer bekannte Helge-Schneider-Gefühl: Ich habe mich vertan.

Dabei schwöre ich: In diesem Moment hat sich alles genau richtig angefühlt. Ich würde also sagen, dass der Teufel im Detail liegt. Beim nächsten Mal darf der zum Kleid zweckentfremdete Pullover gern etwas länger sein oder das wahre Kleid darunter für sich allein stehen. Je nachdem. Im Grunde bin ich aber noch immer schwer angetan vom Prinzip „Schlabberstrickpulloverkleid zu derben Stiefeln.“ Es wird mir hoffentlich glücken, irgendwann.

Na klar, Hose in die Stiefel stopfen, das geht natürlich auch. So weit bin ich aber noch nicht. Werde ich vielleicht auch nie sein. Aber ich schwöre, ich werde meine Mutter nie wieder schräg anschauen, wenn sie es tut. 

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2 Kommentare

  1. Ninotschka

    Ich find’s super anzuschauen, aber bin als Reiterin vielleicht auch voreingenommen… Aber mal ehrlich: In einem echten Berliner Winter die geliebten Kleider und Röcke nur mit bestrumpfhosten Beinen auszuführen, ist – selbst in der Wollversion – ohne hohe Stiefel einfach nichts für mich. Deshalb bin ich seit meiner Jugend kniehoch bestiefelt. Trend hin, Trend her… Hauptsache, warme Beene! Wenig finde ich stilloser bzw. in stilistischer Hinsicht bemitleidenswerter als Menschen in zum Wetter nicht passendem Schuhwerk, weil es ‚die Mode so will‘. Stoff-Sneaker im Laubmatsch? Nööö… Du zeigst, dass sich bei adäquaten Botten Pragmatismus, Haltung und Kreativität nicht ausschließen müssen! Find ick juut.

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