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Feminismus & Fashion – Passt das zusammen?

16.02.2015 Mode, Magazin, box2, Feminismus

IMG_4915Menschen, die behaupten, Mode & Feminismus hätten nichts miteinander gemein, oder schlimmer noch, Mode & Feminismus könnten gemeinsamen erst gar nicht existieren, sich weder bestäuben, noch unterstützen, haben entweder den Feminismus nicht verstanden, vielleicht auch die Mode nicht, wahrscheinlich sogar weder den Feminismus noch die Mode. Das eine spielt für das andere nämlich seit jeher eine wichtige Rolle, in beiderlei Richtungen. In der aktuellen Ausgabe der Harper’s Bazaar schreibt Autorin Justine Picardie sich in knappen Worten den Groll gegenüber dieser Nichtverstehenwoller, denen sie schon zu Studienzeiten im rosafarbenen Ensemble entgegen trat, aus den Fingern. Wenn auch für meine Begriffe etwas zu zaghaft formuliert, steckt in diesem kleinen aber feinen Beitrag doch jede Menge Wahres. 

„Kleidung hat wichtigere Aufgaben, als uns zu wärmen. Sie verändert unseren Blick auf die Welt und den Blick der Welt auf uns“. Eigentlich könnte mit diesem Zitat der wunderbaren Virginia Woolf längst alles gesagt sein, aber nein, die ewige Debatte geht auch 2015 weiter. Zuletzt allerdings, als Karl Lagerfeld einen Protestzug auf dem Laufsteg seiner Chanel-Schau inszenierte, in dem Cara Delevingne und ihre Kolleginnen Plakate mit Aufschriften wie „Feminism Not Masochism“ an der Front Row vorbei trugen. Der Guardian meckerte daraufhin „(…) eine alberne Show (…), weil die Modeindustrie und insbesondere die Fashion Week ungefähr so feministisch sind wie ein Obstkuchen“. Tatsache? Mademoiselle Picardie nimmt sämtlichen Nörglern daraufhin ganz nonchalant mit einem Verweis auf die Suffragetten des frühen 20. Jahrhunderts den Wind aus den Segeln. Selbige seien über eine derartige Haltung nämlich mit Sicherheit schwer erstaunt gewesen, denn die britischen Frauenrechtlerinnen von damals definierten sich mitunter sehr wohl  über ihre Kleidung und die Farben der Women’s Social and Political Union – nämlich Purpur, Weiß und Grün.

So geht das dann noch ein bisschen, es wird über Coco Chanel und die Befreiung der Frau von Korsage und Humpelrock geschrieben, über Oscar Wilde und die lebendige Beziehung zwischen Mode und uns Frauen. Ein wichtiger, sehr beiläufig anmutender Satz lautet: „Ich fände es unfair (um nicht zu sagen: repressiv), der Mode das Recht abzusprechen, sich an der Diskussion feministischer Fragen zu beteiligen.“ Dabei könnte man es ruhig noch etwas deutlicher sagen; ein solches Handeln wäre nämlich nicht nur repressiv, sondern auch rückschrittlich, fast schon „hinterwäldlerisch“. 

Gelinde gesagt hängt mir so manch eine Korinthenkackerei so dermaßen zu den Augen und Ohren heraus, dass ich im Angesicht wenig reflektierter Beiträge im Stil des Guardian-Verrisses zuweilen nur noch schreien oder wahlweise ziemlich laut heulen will. Feminismus und Mode können also nicht zusammen gehören? Wer das behauptet, dem kann in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr geholfen werden, der hat ganz offensichtlich noch immer nicht begriffen, dass Mode niemals stumm und Statement-los sein kann, dass Mode, ganz im Gegenteil, immer spricht. Und dass es ganz allein an uns ist, sie in unserem Sinne sprechen zu lassen. 

In diesem Sinne: „Mode soll uns weder beherrschen, noch einschüchtern, sie gehört vielmehr zum weiblichen Werkzeugkasten des kreativen Ausdrucks“. Amen.

 

8 Kommentare

  1. ira

    Liebe Nike,

    gibt es zu dem Guardian-Artikel zufällig einen Link? Ich habe ihn auf die Schnelle nicht finden können. Ich stimme deiner Aussage grundsätzlich zu, würde aber durchaus zwischen Mode als Ausdrucksform und Kulturtechnik und Modeindustrie unterscheiden. Mir erschliesst sich deshalb nicht ganz, weshalb die Aussage des Guardian so falsch sein soll. Die Modeindustrie als wirtschaftlicher Sektor hat für mich persönlich ebenfalls nichts mit Feminismus zu tun, weil sie unter anderem auf ökonomische und teils auch emotionale Ausbeutung von Mädchen und Frauen (und natürlich auch Jungs und Männern) baut. Hierbei denke ich sowohl an die Produktionsbedingungen für Kleidung als auch die Arbeitsbedingungen für Models, die sich im Teenageralter mit den Terry Richardsons dieser Welt auseinanderzusetzen haben, um in der Industrie Fuss zu fassen, genauso wie an die vielen Studentinnen, welche bei den grossen Modelabels unbezahlt als Praktikanntinnen schuften. Vom weiblichen Körperideal, welches von Lagerfeld propagiert wird, will ich erst gar nicht anfangen. Aus meiner Sicht ist das nochmals ein völlig anderes Themenfeld als der leidige Diskurs, ob man sich nun als Feministin für Mode interessieren „darf“.

    i.

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    1. Sabine

      Leider muss ich da zustimmen. Dass Mode und Feminismus nicht vereinbar sind, ist Qatsch. Trotzdem finde ich es in der Tat etwas heuchlerisch, wenn Herr Lagerfeld (und ich bin ein Fan), seine Models feministisch anmutende Plakate rumtragen lässt, während er und das Unternhemen, das er repräsentiert, ein ziemlich großes Zahnrad sind in einer Industrie, die Frauen immer wieder zeigt: „hey, du musst als Frau dünn sein, und schön, und immer top angezogen, um was wert zu sein. Es ist unabdingbar, dass du viel Zeit und Geld dafür opferst.“
      Da würde ich mich doch über mehr Diversität auf dem Laufsteg freuen, als über die immer gleichen Gesichter, mit platten Aufdrucken in der Hand.

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  2. Nike Jane Artikelautor

    Ihr Lieben, ich lese eure Kommentare mit Begeisterung!
    Im Grunde stimme ich vollkommen zu. Gebt mir ein bisschen Zeit für eine längere Antwort, ich habe hier nämlich gerade einen hungrigen kleinen Kerl auf dem Schoß sitzen <3

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  3. Anne

    Ich stimme den Vorrednerinnen da komplett zu. Viel Wahres, aber der Lagerfeld als Beispiel schlägt ganz gehörig daneben. Eine progressive Bewegung als Marketinginstrument zu instrumentalisieren, schöner hätte man Adorno nicht illustrieren können 😉

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Ich bin trotzdem nicht gegen solche Aktionen, hin oder her. Wenn einflussreiche Menschen auf Themen wie diese aufmerksam machen, ist das in meinen Augen immer ganz schön gut, schon alleine, weil wieder diskutiert wird, so wie hier. Marketing hin oder her. Aber ich weiß, das ist eine ganz kniffelige Frage. Und entweder man ist dafür, oder dagegen. Dazwischen gibt’t nicht viel. Das ist ein bisschen zu vergleichen mit Charity-Events und pipapo.

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