Lese-Links zum Mittwoch, die (meistens) gute Laune machen

07.03.2018 Buch

Ich habe diese Woche die Weekend Reads ausfallen lassen, weil mein Sohn krank war. Ein neuer Podcast folgte auch nicht, weil sich inzwischen sogar Sarah Jane mit Fieber im Bett umher wälzt. Und weil ich weiß, wie langweilig so eine Krankenzeit in den eigenen vier Wänden sein kann, folgt nun eine kleine Lese-Leiste, die hoffentlich für ein wenig gute Laune sorgt. 

Die Rede von Frances McDormand während der Oscars 

Für ihre Rolle als kämpferische Mutter in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ hat Frances McDormand den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewonnen. Eine verdiente Ehre, jedoch nicht der Hauptgrund unserer Aufmerksamkeit. Denn mit ihrer Dankesrede bewegte die 60-Jährige das Publikum und die Menschen vor den Bildschirmen und zeigte wieder einmal, wie wichtig Solidarität unter Frauen ist. Mehr weiß EditionF.

„Dat is stuur natovolltrekken, wat de AfD drieven deit“

Eigentlich ein trauriges Thema, ich musste mich dennoch schrottlachen über so viel Galgenhumor. Denn: Die AfD fordert Deutsch als Landessprache. Weshalb der SPD-Abgeordnete Johann Saathoff im Bundestag eine komplette Rede auf Platt hielt und außerdem mit einem Zeit-Interview nachlegte. Nachzulesen hier:

„(…)Aber mi is wichtig, drupp hentoweesen, dat wi in Düütsland mehrere Spraaken hebben, und dat wi in Düütsland bunt upstellt sünd. Und wi in Ostfreesland sünd ook neet nümms. Wenn för de AfD dat wichtig is, dat wi uns in Düütsland in uns Spraak ükkern, dann will ik dat geern doon – un dat is för mi eben Plattdüütsch.“

Netflix widmet seine März-Neuzugänge starken Frauen

Die gesellschaftlichen Debatten der jüngsten Zeit haben gezeigt: Die Welt braucht mehr Geschichten, die Frauen in den Mittelpunkt stellen und die von Frauen erzählt werden. Den International Women’s Day am 8. März nimmt Netflix zum Anlass, genau dies zu tun – ganz gleich, ob sie sich vor oder hinter der Kamera abspielen. In Form von längst überfälligen Dokumentationen, bekannten und neuen Serien, aber auch Filmdramen. Die sechs spannendsten Neuveröffentlichungen des Monats gibt es bei Vogue im Überblick.

Qualen und, oh, Ekstase!

„Call Me By Your Name“ widmet sich der berauschenden Sommeraffäre zweier junger Männer. Über diesen schwebend-schönen Oscar-Kandidaten kann das Herz nur staunen:

„Zusammengerollt auf einer Couch liegt Elio im Schoß seiner Eltern. Die Mutter liest eine französische Romanze aus dem 16. Jahrhundert vor. „Ist es besser zu sprechen oder zu sterben?“, zitiert sie den Ritter Amadour, der sich nicht dazu durchringen kann, einer Prinzessin seine Zuneigung zu gestehen. Dieses Gefühl von Zögern und Überschwänglichkeit zeichnet junge Liebe aus, und der italienische Filmemacher Luca Guadagnino fängt es in seiner vollendeten Literaturverfilmung Call Me By Your Name ganz wunderbar ein. Elio ist verliebt. Und er beschließt, dass er reden muss.“ Weiterlesen. (Und: Ab sofort im Kino oder als Buch „Ruf mich bei deinem Namen“.)

Nachts in Venedig – und was ich dabei über Bequemlichkeit gelernt habe 

„Eine Stunde vor Abflug hatte ich noch im Internet nachgeschaut, ob es in Venedig Uber gibt. Ich finde Uber toll, weil ich das “automatische” Bezahlen toll finde – für mich gibt es nämlich neuerdings nichts Anstrengenderes, als meine Kreditkarte, oder, noch schlimmer, Bargeld aus dem Portemonnaie holen zu müssen. Ich habe nie Bargeld dabei. Ich finde Bargeld unbequem. Jetzt will ich bitte bequem und unkompliziert zur Piazza San Marco kommen. Uber gibt es natürlich nicht, und um den Wasserbus zu suchen, der angeblich direkt vom Flughafen zur Piazza San Marco fährt, ist es mir zu spät: 23 Uhr.“ Weiter geht’s bei C’est Clairette.

 

Wann ist ein Mann ein Mann?

„Herbert Grönemeyer hat es schon in den 80er-Jahren auf den Punkt gebracht und beschreibt das Phänomen „Mann“, das damals wie heute Gültigkeit hat. Denn trotz über 30 Jahren, die seit der Veröffentlichung seines Hits „Männer“ vergangen sind, hat das Klischee des Mannes kaum Risse bekommen. Männer führen heute immer noch Kriege, sie rauchen Zigarre, sie sind erfolgreich, bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit. Nicht alle Männer führen Kriege, doch sie dominieren bis heute die Politik. Im kleinen sind Männer vor allem aber außen hart und innen weich. Sie weinen bis heute heimlich, sie sind stark und können (fast) alles. Sie sind unser Fels in der Brandung, sie geben uns Geborgenheit und sind furchtbar schlau, um es in Grönemeyers Worten zu sagen.“ Via Amazed.

 

Heirate Dich Selbst!

Andrea Hanna Hünniger imaginiert, wie die Story in einem der berühmtesten Romane der Weltliteratur verlaufen wäre, wenn die Protagonistin einfach sich selbst verfallen wäre. „Emma ist geradezu vernarrt in sich. Gleichzeitig ist sie, die viele Liebesromane gelesen hat, schon bald von der Ehe mit sich selbst gelangweilt. Ein Ball auf einem benachbarten Schloss bringt ihr die ersehnte Abwechslung. Nach dem glanzvollen Abend erscheint ihr der Alltag in Tostes jedoch umso trister. Als sie immer unruhiger und launischer wird, glaubt Emma an ein Nervenleiden und hält einen Umzug für sinnvoll. Der neue Wohn- sitz Yonville-L’Abbaye ist etwas größer als Tostes und verspricht mehr Zerstreuung. Dort lernt Emma die schöne Emma von Neuem kennen. Emma ist hingerissen von sich selbst, und scheint ihre Gefühle zu erwidern.“ Hier entlang!

Die Treppen als Turngerät

Alleine alt zu werden, macht vielen Angst. Aber das ist vielleicht gar nicht nötig: „Menschen, die im hohen Alter noch alleine leben, sind meist Frauen. Doch jenseits der Statistiken wissen wir wenig über ihre Wohnsituation, darüber, wie sie ihren Alltag meistern. Ulrike Scherzer hat neunzehn hochbetagte Damen in der Stadt und auf dem Land, in Villa und Gartenlaube besucht und sie für das Buch „Altweiberwohnen“ erzählen lassen: Herausgekommen sind berührende Porträts voller Lebensklugheit.“ Ein Interview mit der Autorin ist gerade bei der FAZ nachzulesen.

Joni Mitchell: „Free Man in Paris“

„Ein ungewöhnlicher Pop-Song: Es geht nicht um Liebe, obwohl eine Frau singt und sie auch die Autorin des Textes ist. Es geht nicht um die letzten Dinge der Menschheit, um Pop-Metaphysik wie bei Dylan, Cohen und Patti Smith – den Singer/Songwritern, die literarisch ähnlich anspruchsvolle Texte wie Joni Mitchell geschrieben haben. In „Free Man in Paris“ geht es um das Geschäft Pop. Erstaunlicherweise aber nicht so, wie man es von einem Hippie-Mädchen erwarten könnte. Immerhin ist Joni Mitchell mit „Woodstock“ Verfasserin einer der großen Hippie-Hymnen, von Crosby, Stills, Nash & Young zum Hit gemacht: Mitchell beweint in „Free Man in Paris“ nicht, dass zarte, poetische Seelen vom Moloch Musikindustrie ausgesaugt oder dass ihre Reinheit durch Geld und Erfolg befleckt wird.“ Von Christina Dongowski.

George erklärt seinen Mitschüler*innen, was Autismus ist

George Yionoulis wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Neunjähriger. Er steht auf Harry Potter und Minecraft, er zeichnet gerne und liebt es, Musik zu machen und zu tanzen. Aber George ist ein kleines bisschen anders als viele seiner Altersgenossen. Der Junge aus dem US-Bundesstaat North Carolina ist Autist. Weil sich das in seinem Alltag immer mal wieder bemerkbar macht, hat George auf Anraten seiner Lehrerin ein Video für seine Klassenkameraden gemacht, dass ihnen erklären soll, warum er sich manchmal so benimmt, wie er sich benimmt. Doch nicht nur seine Mitschüler erfahren so mehr über George. Seine Mutter hat das Video Ende 2017 auf Youtube hochgeladen, wo es rund 400.000 Menschen gesehen haben. Mehr weiß Nido

 

Modewort „Problematisch“

„Deutschland hat Gold im Eiskunstlauf geholt. Was ja eigentlich schön ist, aber das finden manche auch irgendwie problematisch, man weiß ja gar nicht, wie deutsch die beiden Tanzhasen da eigentlich sind. Deniz Yücel wurde aus einer staatlichen Geiselnahme befreit, was eigentlich auch ein Grund zur Freude wäre, aber irgendwie auch problematisch, denn er hat mal etwas Provozierendes in einer Kolumne geschrieben. In der Schule gibt es selbst gebackene Pizza, was eigentlich lecker ist, aber irgendwie auch problematisch, weil da ein Haufen Gluten drin ist. “ Von Ronja von Rönne.

Was hat sich seit dem Women’s March 2017 getan?

„21. Januar 2017. Der erste Tag nach Trumps Amtseinführung. Eine halbe Million Menschen versammeln sich in Washington D.C., um gegen den neuen, nun tatsächlich amtierenden, Präsidenten Donald Trump, vor allem aber proaktiv für Frauen- und Menschenrechte zu demonstrieren. In etlichen amerikanischen Städten und weltweit solidarisieren sich Menschen in Protestmärschen, den so genannten Sister Marches.“ Aber was hat sich seither getan? Kurz und knackig zusammengefasst hat’s Refinery 29.

Barbie bringt Vorbilder als Puppen raus

Ich möchte nicht allzu laut jubeln, denn mit körperlicher Vielfalt hat auch der neueste Coup von den Barbie-Macher*innen nicht viel am Hut. Ein wenig freuen dürfen wir uns über Frida Kahlo und Co aber trotzdem, findet Marc Röhlig. Na gut. Aber nur ein bisschen: „Die Serie heißt „Inspiring Women“ und soll demnächst in die Läden kommen. Insgesamt gibt es 18 Persönlichkeiten, darunter auch die deutsch-iranische Modedesignerin Leyla Piedayesh. In der Verpackung klären kleine Begleitheftchenüber ihre Leistungen auf. Die Serie soll keine Sonderedition werden, sondern massenhaft produziert werden.“

Von meinem Kind, das nicht hineinpassen will (aber auch nicht muss)

„Montagmorgen also im Amt. Wir warten seit einer Stunde. Im Warteraum sitzen Eltern und Kinder wie Hühner auf der Stange, um begutachtet zu werden. Schlachthof oder Legebatterie? Wer taugt, wer nicht? Es ist früh und Julius hat mindestens zwei Stunden zu wenig geschlafen, irgendwann hält es ihn nicht mehr auf dem Stuhl. Er rennt und springt, außerdem hat er Hunger. Als er mit seinem Brot vor mir steht, werden wir aufgerufen. Die Arzthelferin hat weder für ihn, noch für mich ein Lächeln übrig. Sie hat zu tun. Sie muss einen Zeitplan einhalten. Im ersten Untersuchungsraum wird deshalb – und ehe vorher ein anderes Wort gewechselt ist – bedeutet: “Sie sitzen hier, ihr Kind da.” Mein Kind, das hier zur Disposition steht, will aber erst gar nicht den Raum betreten. “Du willst doch aber zur Schule gehen?”, wird es gefragt. “Nein, will ich nicht. Ich will nicht zur Schule gehen.”, widerspricht mein Kind und hat es sich damit wahrscheinlich schon verscherzt, weil doch alle Kinder in die Schule gehen wollen. So qua Evolution und so.“ Nachzulesen bei Little Years.

Endlich ein Bullet-Journal anlegen

Wir gratulieren! Denn: „Ich kann es gar nicht glauben: Heute ist der 5. März – der Tag, an dem mein Buch „Gestalte dein Journal mit der Bullet-Methode“ offiziell veröffentlicht wird. Es kommt mir irgendwie vor wie gestern, als wir die ersten Details für dieses Projekt besprochen haben und es sich vor allem in den Anfängen sehr abstrakt und unwirklich angefühlt hat, weil so (!) weit weg. Die Zeit verging unheimlich schnell, war sehr intensiv und noch aufregender ist diese Phase nun für mich: Was sagt ihr, wenn ihr mein Werk in den Händen haltet? Kann ich meine große Leidenschaft, die mein Leben so positiv verändert hat, an euch weitergeben und hat es eine ähnliche Wirkung auf euch?“ Wir probieren es bald aus, liebe Jasmin!

2 Kommentare

  1. Alice

    Frida Kahlo hätte wahrscheinlich strahlgekotzt, hätte sie gewusst, dass sie mal als Barbie verkauft wird.

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