Vom merkwürdigen Modekalender, Ganni für den Frühherbst & einer Konsum-Checkliste

22.06.2018 Mode

Um den Modekalender so richtig zu begreifen, muss man sich schon bei einem kleinen Nachhilfekurs anmelden, um nachvollziehen zu können, wie die ganze Nummer überhaupt funktioniert. Für die Frage nach dem „Warum“ gibt es allerdings offensichtlich kein Handbuch, denn sonst könnte mir schließlich auch irgendwer erklären, warum wir, trotz des gestern gestarteten, kalendarischen Sommerbeginns, in den Stores ab sofort die Spätsommerkollektionen aka die Pre-Fall Linien kaufen können. Schon klar, das Kind braucht einen Namen, aber dass die Sommerkreationen pünktlich zum Start im Sale sind und der Frühherbst nachrückt, macht doch wirklich einfach keinen Sinn, oder doch? 

Während ich mich jede Saison also aufs Neue wundere und dabei manchmal gefühlt die Einzige bin, schiebe ich die Fragezeichen einfach weiter zur herannahenden Herbst/Wintersaison, die uns dann rein rechnerisch im August erwarten dürfte. Eine merkwürdige Branche ist das manchmal, oder nicht? 

Natürlich wissen wir, wie der Hase läuft: Das Konsumrad dreht sich immer schneller, Konsument*innen werden immer anspruchsvoller, die Konkurrenz sorgt noch mal für eine extra Portion Schwung – und auch wir sind nicht ganz unbeteiligt an der Geschwindigkeit, speziell dann, wenn uns mal wieder eine Kollektion um die Ohren gehauen wird, die es wahrlich in sich hat – wie heute bei Ganni.

Da hilft nur eines: Checkliste erstellen und sich wirklich fragen, was man braucht und ob die ein oder andere Kreation nicht längst so oder in abgewandelter Form schon im eigenen Kleiderschrank schlummert.

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Sich selbst öfter mal wieder fragen:

– Brauche ich dieses Kleid, diesen Rock oder diesen Pullover wirklich?

– Kann ich die potenzielle, neue Errungenschaft mit den Stücken in meinem Kleiderschrank überhaupt kombinieren oder passt das Objekt der wohlmöglich zu gar nichts?

– Finde ich 2nd Hand Alternativen, die den Kreislauf nicht noch weiter ankurbeln?

– Findet das potentielle Kleidungsstück nachhaltig in meinem Schrank statt oder ist es wohlmöglich eine Eintagsfliege, die nach einem Mal tragen in den Tiefen der Schublade verschwindet?

– Macht das Kleidungsstück mich glücklicher?

 

– Bilder als Inspirationsquelle ansehen & daraus Styling-Tipps ziehen

– das Objekt der Begierde im Geiste mit zum Flohmarkt nehmen und Lookalike erstehen

– Ebay, Ebay Kleinanzeigen oder Plattformen wie Mädchenflohmarkt und Vestiaire Collective zur Hilfe nehmen & Second Hand shoppen

– Bei Mama, Oma oder der Freundin leihen

– Apropos leihen: Die Kleiderei könnte hier eure Anlaufstelle sein, um wahrlich kaum noch etwas zu kaufen

– selbst zur Strichnadel greifen und das gesehen Objekt der Begierde einfach kurzerhand selbst gestalten & bei Nicht-Gefallen die Wolle einfach wieder lösen, um sich wiederum Neuem zu widmen

– einfach auch mal digital träumen und sich einfach an den Bildern erfreuen, statt direkt auf den Kaufbutton zu klicken

Wir wissen natürlich selbst, dass wir der Versuchung oft nicht widerstehen können – das geht uns selbst ganz genauso. Trotzdem hilft uns oft der Austausch mit uns selbst, gerade weil wir uns enorm viel Zeit mit Mode beschäftigen, um nicht zuletzt für euch, das Wildeste, Bunteste und Schönste herauszukramen. Oftmals reicht mir persönlich aber das klassische „Window-Shopping“, um mir die nötige Portion „Befriedigung“ abzuholen.

Und an dieser Stelle würde mich natürlich interessieren, wie ihr damit umgeht und wie ihr gelernt habt, zu widerstehen (weil, ganz abgesehen von nachhaltigen Aspekten, eben auch aus finanzieller Sicht unendlicher Konsum nicht möglich ist)? Welche Checkliste geht ihr Kopf durch und welches Argument sorgt dafür, dass ihr ganz bei euch bleibt?

Und weil wir heute besonders gemein sein wollen, und euch natürlich allein vor dem Hintergrund unseres Informationsauftrags nichts vorenthalten wollen, gibt’s hier noch die restlichen Bilder der aktuellen Pre Fall Kollektion von Ganni.

Ab sofort online:

3 Kommentare

  1. mathilda

    Ich habe über ein Jahr konsequent nur faire Mode gekauft, d.h. sehr wenig, und danach nur second hand. Danach war ich irgendwie geheilt. Ich geh jetzt ab und zu wieder in konventionelle Läden, wenn ich sonst nichts finde, und kaufe da auch was. Aber echt nur selten, drei Mal im Jahr oder so. Der Sog ist einfach weg. Für einen Modeblog ist so was natürlich sehr schwierig, aber vielleicht lohnt sichs mal, diese andren Sphären noch mehr auszuloten, das ist komplizierter und tut auch weh, aber für mich hat sichs mega gelohnt

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  2. Sarah

    Danke für den Artikel! Schon seit einigen Jahren habe ich meinen Mode-Konsum runtergeschraubt. Denn ich gehöre zu den Menschen, die wirklich nur kaufen, was ihnen wirklich gefällt und das dann so lange tragen bis es auseinanderfällt (oder ich zu dick bin 😉 ). Aber dadurch ist mein Kleiderschrank extrem voll. Mit den Jahren wurden so die Käufe immer weniger. Secondhand kaufe ich schon immer gern und viel und sobald mich ein Modefoto inspiriert, schaue ich erst mal auf Kleiderkreisel, ob es dort etwas passendes gibt. Ich kaufe auch bei H&M und Co, aber überlege mir ewig, ob ich das Teil wirklich liebe und ab jetzt für immer tragen werde bis es zu kaputt zum Reparieren ist (oder ich wie gesagt zu dick bin 😉 ). Gerade Secondhand ist so eine gute Option für nachhaltigeren Mode-Einkauf.

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  3. Rahel

    Ich habe mir vor ein paar Jahren im Studium aus finanziellen Gründen einen Kauf-Bann auferlegt. Das hat dazu geführt, dass ich mir völlig abgewöhnt habe, täglich durch die Online-Shops zu scrollen und nachzusehen, was es so neues gibt. Als ich erkannt hab, dass der Reiz, neues zu kaufen, natürlich völlig weg ist, wenn man gar nicht weiß, was es neues gibt, bin ich einfach dabei geblieben.

    Mittlerweile kaufe ich langlebige kleidungsstücke wie röcke und jacken secondhand, da nehm ich dann auch gern änderungen auf mich, um ein teil aus reiner seide oder wolle für wenig geld zu bekommen. oberteile und andere dinge, die sich öfter „verbrauchen“ kaufe ich dann, sobald ich zu wenig im schrank hab, um durch eine woche ohne waschen zu kommen. da schau ich mich dann auch gerne wieder in den läden um und shoppe so richtig, weil ich weiß, dass ich es auftragen werde 🙂

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