Weekend Reads // Die Tampon-Steuer wird gesenkt, Unser Geschwätz von gestern & Yung Hurn macht sexistischen Deutschrap

Eine kleine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

Tschüss, Luxus-Tamponsteuer!

Danke, The Female Company!

„So sieht es aus, wenn die Politik zuhört: Nachdem Bundesfinanzminister Olaf Scholz bereits vor einigen Wochen angekündigt hatte, die Mehrwertsteuer auf Monatshygiene-Produkte wie Tampons, Binden oder Menstruationstassen von 19 auf sieben Prozent senken zu wollen und einen entsprechenden Zusatz in den Entwurf des Jahressteuergesetzes eintragen ließ, ist nun eine Entscheidung gefallen – ab 2020 werden Periodenprodukte ermäßigt besteuert.“ Weiterlesen. Von Sarah Stendel.

 

 

Emma Watson: selbst-verpartnert statt Single

„Emma Watson Talks Turning 30, Working With Meryl Streep, And Being Happily Single“:

Ab sofort: Staffel 2 von „The End of the f**ing world 

„Gibt es etwas Beschisseneres als den Tod? Ja, sagen die Mundwinkel von Alyssa, während ihre Mutter an ihrem Brautkleid herumzupft: die eigene Hochzeit mit einem Mann, der einen maximal langweilt. Und auch James wünscht sich in genau dieser Sekunde vermutlich, die Kugel, die sich bei seiner spektakulären Flucht vor der Polizei beim Staffelfinale in seine Gedärme gebohrt hatte, hätte ihn dahingerafft. Stattdessen kauert er jetzt, zwei Jahre später, ungeduscht in der Karre seines Vaters und spioniert seiner große Liebe nach – seinen Dad auf dem Beifahrersitz, zu Asche verbrannt in einer Urne, tot.“  Weiterlesen. Von Nora Voit.

Sibel Schick erzählt, wie es ist, wenn man ständig Morddrohungen bekommt

„Am 2. November um 1 Uhr nachts hat jemand auf Twitter eine Todesliste veröffentlicht, die neben verschiedenen Journalistinnen und Klimaschützerinnen wie Luisa Neubauer und Greta Thunberg auch meinen Namen enthält.

Der Account kam mir seltsam vor. Norman Ritter? @dersohnvonkarin? Familie Ritter wird seit Jahren von SternTV als „Nazifamilie aus Köthen“gefeaturet. Der Sohn von Karin Ritter, Norman Ritter, sitzt im Gefängnis. Ich hab also gedacht: Das ist bestimmt wieder irgendein Troll, der uns ärgern will. Aber ist das eine reine Gewaltfantasie? Schreibt da einfach jemand auf, wen er am liebsten „abgeknallt“ sehen würde? Oder ist das eine echte Bedrohung?“ Weiterlesen.
Von Sibel Schick & Marlene Halser.

 

„Ich denke dann kurz: Ja, normal“

Tucholsky-Preis für Margarete Stokowski – In ihrer Rede zur Preisverleihung spricht die Autorin über Morddrohungen und die Untätigkeit des Staates.
Die taz veröffentlicht einen Auszug.
Auf Instagram schreibt sie dazu: 

„Hey Freaks. Die taz hat eine gekürzte Version meiner Tucholsky-Preis-Dankesrede veröffentlicht. Ihr findet sie auf taz.de, wenn ihr meinen Namen in die Suche eingebt. Es geht darum, was es für mich bedeutet, heute in Deutschland eine politische Autorin zu sein.
Wie gesund ist das eigentlich, einen Job zu machen, bei dem man Morddrohungen irgendwann normal findet, und bei dem man sich daran gewöhnt, dass diejenigen, die diese Drohungen schreiben, oft nicht gefunden werden? „Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.“ Das ist eine Aussage von Tucholsky, die gerne zitiert wird, und ich finde sie gut, aber diese Waffe haben nicht nur wir, sondern auch die anderen: diejenigen, die Hass verbreiten, die mit Gewaltandrohungen reagieren. Wer sind diese Leute? Ich weiß es nicht. Ich kenne ihre Namen nur selten. Aber ich kenne ihre Ängste und ihre Unfähigkeit, mit Veränderung umzugehen. Veränderung in dem Sinne, dass die Stimmen vielfältiger werden, die heute hörbar sind.

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Margarete Stokowski (@marga_owski) am

Sie ertragen es nicht. Sie ertragen nicht, die Meinungen von Frauen zu hören. Sie ertragen nicht, die Meinungen von jungen Frauen zu hören. Von Feministinnen zu hören. Von Linken zu hören. Von Migran­t_in­nen zu hören. Von queeren Menschen zu hören. Sie ertragen es nicht, die Meinungen von Menschen zu hören, die anders sind als sie selbst.
Wenn ich Lesungen mit meinen Büchern mache, dann fragen auf fast jeder Veranstaltung Leute nach dem Thema „Hass im Netz“. Meistens ungefähr so: Was macht der Hass mit Ihnen? Oder: Was war bisher die schlimmste Drohung, die du bekommen hast? Oder: Wie halten Sie das aus?
Der Witz ist: Es ist keine besonders interessante Frage, ob und wie ich das aushalte. Ich halte es aus. Die Fragen, die mir zu diesem Thema gestellt werden, lassen eine Neugier durchscheinen, die ich bisweilen als Sensationslust beschreiben würde: Wie ist das für diese junge Frau? Geht sie daran kaputt? Macht es sie zynisch, macht es sie bitter, macht es ihr Angst?
Ich kann die Neugier ein bisschen nachvollziehen, ich habe aber kein Interesse daran, sie zu befriedigen. Ich habe ein Interesse daran, zu sagen, um was für eine politische Situation es sich handelt.“

Warum Yung Hurn sexistischen Deutschrap macht – und man das endlich sagen muss

„Eine junge Frau in Satinnachthemd und Cowboyhut reitet einen elektrischen Bullen. In schnellen Schnitten wechselt der Softporno zu Yung Hurns neuer Single „Ponny“ zwischen ihrem verschwitzten Körper beim Rodeo und dem Wiener Rapper, der sugardaddyhaft in die Kamera haucht: „Kleine Bitch ist mein Pony, sie macht Sport, ja, sie hat gute Kondi.“ Während Cowgirl Benita Banu mit den Händen anschließend fest einen Lederriemen am Sattel packt, rappt er: „Sie hat Wichse auf ihrem G’sicht, sie braucht Zewa. Wisch weg, weil da klebt was.“

 

 
 
 
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Das ist Yung Hurn 2019 – und es ist keine Überraschung, kein Ausrutscher, kein Missverständnis. Wenn man seine Arbeit über die Jahre verfolgt hat, ist das die logische Konsequenz. Zeilen wie „Ich bin so tief in ihr’m Hals, ja, Baby, sie schluckt, und sie lacht dann“ aus „MHM“ und „Deine Freundin trägt jetzt Pflaster, weil diese Pu ganze Nacht bei mir da war“ aus „Bitch Tanz“ könnten genauso in Songs von Fler, Capital Bra und Frauenarzt auftauchen – Rappern, deren sexistische Texte offen diskutiert und kritisiert werden. Warum passiert das aber nicht bei Yung Hurn?“ Weiterlesen. Von Stefan Sommer. 

 
 
 
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Warum Dokumentarfilme über rechte Gewalt wichtig sind

„Als das rechtsextreme Terrornetzwerk NSU, der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund, im November 2011 aufflog, war Aysun Bademsoy geschockt: „Wie kann in Deutschland so etwas passieren, ohne dass die Polizei oder die Landeskriminalämter etwas merken?“ Diese Frage stellt sich die Regisseurin noch heute, acht Jahre später. Ihr Dokumentarfilm „Spuren“, der Anfang November auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig Premiere feierte und 2020 in die Kinos kommen soll, nähert sich dem Fall aus der Perspektive der Opferfamilien. Bademsoy besuchte die Familien von drei der zehn NSU-Todesopfer: Mehmet Kubaşık, Enver Şimşek und Süleyman Taşköprü. Sie fuhr mit ihnen an die Tatorte, saß in ihren Wohnzimmern, redete viele Stunden lang. Und zeigt: Rechte Gewalt wird das Leben dieser Menschen ihr Leben lang prägen und verändern.“  Weiterlesen. Von Sophie Aschenbrenner.

 

AGAIN / NOCH EINMAL – Official Trailer 2019 from blackboardfilms on Vimeo.

Die Macht des Zopfes

„Ich hatte mein ganzes Leben lang immer kurze Haare, deshalb konnte ich mir erstens nie selbst beibringen, wie man am eigenen Kopf einen Zopf flicht, und fummelte zweitens von morgens bis abends an meinen Haaren herum. Ich band sie zusammen, ich schüttelte sie nach links und rechts, ich warf sie nach vorne und nach hinten, ich fixierte sie mit Spangen. Irgendwann hatte ich genug und ließ mir die Haare wachsen. Eines Tages saß ich am Strand und flocht mir gedankenverloren einen Zopf – plötzlich konnte ich es, einfach so, als hätte mir meine neue Mähne ins Ohr geflüstert, wie es geht.

Mein Leben ist seither einfacher geworden. Ich bekomme viel mehr auf die Reihe. Ich lese mehr Bücher, ich schreibe bessere Texte,

 ich repariere Sachen in der Wohnung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine neu erworbene Fähigkeit, mir selbst einen Zopf zu flechten, damit zusammenhängt.

Das führt mich zu Greta Thunberg. Wie jedes Kind weiß, trägt Greta Thunberg einen Zopf.“

Weiterlesen. Von Claire Beermann. 

Feminismus: Unser Geschwätz von gestern

Vor zehn Jahren jammerten wir nur über Männer und fanden Feminismus abstoßend. So dumm. Aber kein Grund, das zu leugnen, sondern den Fortschritt zu feiern.

„Ich hatte vergessen, dass wir kein Problem damit hatten, „Männer, die sich hektisch verhalten“ als „tuckig“ zu deklarieren. Ich hatte vergessen, dass wir uns zwar für Abtreibungen aussprachen, allerdings auch dafür waren, diese drastischer zu benennen: Abtreibung sei ein Euphemismus für Abtöten, lese ich eine meiner Freundinnen sagen. Zudem muss ich lesen, wie ich über Mütter als „Säugkühe“ rede und bekenne, wie hässlich ich Frauen nach der Geburt fände: „Strunzglückliche Klötze mit Schrumpelbaby.“ Nach der Geburt möglichst schnell wieder schlank zu sein, schien unfassbar wichtig zu sein. Dick sein befanden die meisten von uns als per se unattraktiv. Ein Kaiserschnitt mit Bauchstraffung sollte es eines Tages werden.“ Weiterlesen. Von Julia Friese.

 

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