Outfits der Woche: Von Unmöglichkeiten, neuen Frisuren & alten Gewohnheiten

18.11.2020 Mode, Outfit

In unserer Serie „Unsere Woche in Outfits“ präsentieren wir euch nicht nur ein paar Looks, in denen wir die Woche bestritten haben, sondern erzählen euch auch, was uns in den vergangenen Tagen so durch den Kopf ging.

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Nike

Ich sag euch was: Bei mir herrscht total tote Hose im Hirn, gar nichts ist mit mir derzeit anzufangen, jedenfalls nichts dolles. Gestern bin ich sogar an „Omas einfachem Mürbeteig“ gescheitert, noch bevor wir auch nur einen Keks ausgestochen hatten. Ganz matschig war er und kaum ausrollbar. Seit wir in amtlicher Quarantäne stecken, bestehen meine Tage wirklich aus sowas, von vorn bis hinten. Aus Unmöglichkeiten und Routine. Aus Malen, Basteln, Spielen, Homeschooling, Motzen, Aufräumen, Toasten, Wäsche, Geschichten. Und dann wieder alles von vorn, bis das Kind um etwa 21 Uhr beschließt, es werde jetzt doch nicht das siebte Toast verdrücken, bloß um noch länger aufbleiben zu dürfen, sondern endlich schlafen, so richtig, ohne ein allerallerletztes Mal aufzustehen.

Dann koche ich mir und meinen Augenringen eine dickbauchige Kanne Kaffee und schleppe mich gen Arbeitszimmer, wo ich für gewöhnlich mit meinem Bildschirm verschmelze und mit irgendeinem Podcast auf den Ohren gar nicht mal so viel erledigt kriege. Seltsamerweise scheint mir die meiste Zeit des Tages trotzdem die Sonne aus dem Hintern und das wiederum erkläre ich mir einzig mit einer Mischung aus: Abstumpfung und Kapitulation. Es bringt ja nichts, sich innerlich zu zerreißen. Ein Tag hat nunmal nie mehr Stunden als es die astronomische Stundenzählung vorsieht. Ich versuch es deshalb mit dem Nacheinander-Prinzip und weigere mich, tagsüber mehr als eine Handvoll eMails zu beantworten. Ich bin nämlich keine Roboterin. Das war übrigens endlich mal eine schöne Meldung: In den Regalen eures Lieblings-Spätis findet ihr ab sofort eine alte Brause im neuen Gewand: „Almdudler*in“. Marketing, aber gut.

Was mich außerdem glücklich macht, wenn ich mal einen Moment für mich finde: Ausnahmsweise keine Zeitung lesen, sondern ausschließlich Bücher. Gerade: Schreibtisch mit Aussicht. Dazu läuft meistens Alexandra Stréliski – Pianoscope in Dauerschleife. Und wenn nichts anderes hilft, dann setze ich mir Kopfhörer auf, blende alles aus und gebe mich gänzlich meinen verkümmerten Gitarren-Skills hin, die schon damals wirklich schlecht waren. Für ein bisschen Punkrock reichts aber dennoch. Ach, und selbst wenn nicht: Es hört ja niemand zu, nein, das gehört nur mir ganz allein. 

*dieses Foto entstand ursprünglich für eine Instagram Kooperation

YingYang Kissen: Kaschuba Hommage
Rollcontaier: USM
Bluse: Ottod’Ame  
Weste: Ottod’Ame 
Hose: Ottod’Ame  


Weste: La Veste, Hose: Esprit, Bluse: Ganni

Bluse „Nike“: Love Kidswear
Hose: Edited
Boots: Rani Bageria

Shirt: „BOOM“ by Friederike Hantel
(100% der Erlöse gehen an antifaschistische Organisationen).

Longsleeve: Lacoste Live!, Jeans: Edited

Julia 

Auf meinem Tisch liegt ein kleiner, transparenter Ordner, den ich mir einmal kaufte, um ihn mit Selbstgeschriebenem, Bildern und Erinnerungen zu füllen, was bis heute natürlich bloß mäßig bis gar nicht funktioniert hat. Das heißt: In meinem Kopf ist er bereits längst brechend voll, quillt förmlich über vor lauter geistiger Ergüsse. In meinem Kopf funktioniert aber eben so manches besser als in der Realität. Das Blumengießen zum Beispiel. Oder das Vorhaben, meine Haarkur auch wirklich fünf Minuten einwirken zu lassen, statt sie wenige Sekunden nach dem Einschmieren ungeduldig auszuspülen. Der Ordner jedenfalls ist noch immer gähnend leer und erinnert mich dank seines transparenten Antlitzes hämisch daran, dass mein Zukunfts-Ich noch immer auf die übermotivierten Versprechen und gekreuzten Finger meines Vergangenheits-Ichs reinfällt. Um mich selbst zu besänftigen, schlug ich mir schließlich einen Neustart vor und legte zugleich zwei neue, schwarze Stifte (jene, die fast wie von selbst über das Papier gleiten) als Extramotivation hinzu, denn bekanntermaßen soll man ja auch in Zeiten des Versagens nie aufhören, an sich zu glauben.

Earcuff von Jorinde Barke für HundHund

links: Hose: MCQ (alt), Hemd: Filippa K, Pullunder: Christina Seewald (Sample Sale)

rechts: Trenchcoat: Pushbutton (alt), Jeans: Eytys (alt), Schuhe: Dr. Martens (alt), Tasche: Paco Rabanne via Vestiaire Collective

Ring: La Manso,
Blazer: The Frankie Shop (ähnlich hier)

Sarah

Ich lerne dieser Tage wieder einmal, nachsichtig und lieb mit mir zu sein, statt streng, ungehalten und unzufrieden. Auch ich stecke in amtlicher Quarantäne, die sogar noch verlängert wurde, zwischen Umzugskartons, Chaos, einer gelangweilten Tochter und einem Berg an Arbeit. Überall sein, alles unter einen Hut bekommen und in acht Tagen (in eine wahr gewordene Baustelle) umziehen? Ihr könnt euch vorstellen, dass ich daran kläglich scheitere. Wohlwissend, dass alles nur nacheinander funktioniert und ich natürlich weiß, dass der Tag eben nur eine begrenzte Anzahl an Stunden hat, scheitere ich trotzdem regelmäßig an dem Mantra „Genug zu sein und genug zu tun“, und das, obwohl ich es permanent herunterbete. Ich bin einfach zu schnell frustriert, wenn die Dinge nicht laufen und ich den Überblick verliere.

Rollkragen: Arket (alt), Kleid: Baum + Pferdgarten (alt), Strumpfhose: Esprit, Schuhe: Ottod’ame

Ein Bombenfund unweit unserer Wohnung brachte das Fass am Samstag dann auch schließlich zum Überlaufen: In fünf bis 10 Minuten galt es die Wohnung zu verlassen und im Büro meines Freundes Unterschlupf zu finden. An sich natürlich keinesfalls dramatisch und dennoch „verlor“ ich einen ganzen Tag, um mich den zig Baustellen zu widmen. Stattdessen verharrten wir 11 Stunden an diesem einen Ort und versuchten das Beste, um nicht wahnsinnig zu werden. Zugegeben, mittlerweile können wir nur noch über das ganze Chaos lachen, so langsam aber sicher wird es dennoch eng. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Stiefel: Edited

Was mich außerdem umtreibt? Wahnsinnig wichtige Dinge wie zum Beispiel meine Haare: Soll ich den Pony doch wieder lang wachsen lassen? Soll meine Gesamtlänge doch wieder nur bis zu den Schultern reichen? Fragen über Fragen, die mich in dieser gegenwärtigen Quarantäne umtreiben. Da ihr aber immer so goldrichtige Einwände oder beflügelnde Argumente liefert, scheint es mir an der Zeit, euch nach eurer Meinung zu fragen. Was meint also ihr, hmm?

Willkommen im Chaos Teil 239344. Pullunder: Ganni, Rock: Miu Miu, Stiefel: Edited, Haarreifen: KDG x Jane Wayne

Oldies but Goldies. Pullover: & Other Stories, Hose: Closed,
Schuhe: Nike Blazer, Socken: & Other Stories

Cardigan: Sezane, Hose: & other Stories, Haarspange: Valet, Kuschelsocken: Esprit

Fabienne

Es gibt weder viel zu beklagen noch zu besprechen noch zu bejubeln. Es gibt schlicht und ergreifend nichts zutun außer das übliche Schreibtisch-Chaos und das regelmäßige Befüllen des Kühlschranks. Meine Strecken belaufen sich wöchentlich auf genau zweimal einkaufen, einmal eine Bahnfahrt zur Psychotherapie und die immer gleichen Runden um den Teltow Kanal am Morgen und zur Mittagspause. Wie man auf den Bildern sieht, habe ich es zwischendurch in den Körnerpark sowie die Königsheide geschafft. Mehr ist nicht drin. Ich bin schlimm erschöpft und fiebere dem Jahresende entgegen, als wäre klar, dass spätestens dann alles, was dieses Jahr genervt hat, ein Ende nehmen muss. Zumindest ist aber dann ein Deckel drauf und ich kann Mitte Dezember dann vielleicht auch dem Schreibtisch für den Rest von 2020 adieu sagen. Es wäre an der Zeit.

Jacke: The North Face Himalayan Daunenjacke, Hose: Uniqlo (alt) Stiefel: Zara (alt)

Pullover: Second Hand

Schuhe: Nike Air Force Shadow

Mantel: H&M Trend

Tasche: Abro / Second Hand via Ubup Kragen: Weekday (alt)

18 Kommentare

  1. julienne

    find ich gut, nike, dass du dich für antifaschistische projekte engagierst.aber muss es immer gleich um gewalt gehen? „all nazis must die!“ „deutschland muss sterben!“ lese ich auf der verlinkten seite der modemarke.und das fuckt mich tatsächlich an vielen antifas ab-diese gewaltbereite einstellung.wo ist dann der unterschied zu den nazis?

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    1. Tami

      Also liebe Julienne, das ist ein bisschen so wie Leute, die die Bibel wörtlich nehmen, oder? Ich empfehle hier eine Auseinandersetzung mit dem Ursprung und warne zudem davor, es wie unsere Regierung zu machen, die rechte und linke Gewalt in einen Topf wirft. Das ist einfach falsch.

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      1. julienne

        es ist sehr einfach, zu einfach, gewalt mit ideologie zu rechtfertigen.das zeigt die geschichte an zahllosen beispielen.

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      2. Mimi

        Aber man sollte doch trotzdem vorsichtig sein, welche Sprache man benutzt. Damit, dass etwas nicht so gemeint ist, wie es nun mal schwarz auf weiß steht, kann man so ziemlich alles Gesagte und Geschriebene entschuldigen. Und egal, wie sehr ich die Intention der Antifa unterstütze, wenn darauf appelliert wird, dass Menschen gefälligst zu sterben haben, dann gibt mir das ein mulmiges Gefühl.
        Eine aggressive Sprache lässt mich innerlich zusammenzucken. Das ist einfach nicht die Welt, in der ich leben möchte. Ich kann es aber so was von nachvollziehen, dass man bei Nazis einfach am Ende des Lateins angekommen ist.
        Schwierige Kiste

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    2. Nike Jane

      Liebe Julienne, „Modemarke“ ist etwas irreführend in diesem Kontext.
      Für die „Anti-Fascist T-Shirt Edition“ haben sich unterschiedliche Künstler*innen wie Stefan Marx, Barbara Lüdde und eben auch Illustratorin Friederike Hantel zusammengetan, kuratiert vom Fotografen Tim Bruening.
      Ich bin wirklich ein gigantischer Fan von sensibler Sprache, aber hier bin ich ausnahmsweise raus. Was nicht heißt, dass ich dich nicht höre, aber ich habe mir wirklich jahrelang den Kopf zerbrochen, auch über dieses ganze „mit Rechten reden“, bin aber mittlerweile recht gefestigt in meiner Ansicht (hierzu empfehle ich auch das „Toleranz-Paradoxon“).
      Wer hier sprachlich betrachtet für Nazis in die Bresche springt, darf sich natürlich dennoch gern mit mir streiten.
      Für mich ist die Aussage „All Nazis must die“ aber wirklich nicht gleichzusetzen mit „You should kill all Nazis.“
      „Wenn die alten, weißen Dinosaurier tot sind“ soll ja auch nicht heißen: Bringt alle weißen, alten Dinosaurier um.
      Oh, und „Deutschland muss sterben“ ist übrigens ein Lied von Slime.
      Liebste Grüße.

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      1. julienne

        liebe nike,
        das habe ich leider befürchtet-dass du es als „für nazis in die bresche springen“ empfindest.ich rede von einem klaren statement gegen gewalt gegen jeden (!) menschen.wo soll das denn enden, wenn sich beide ideologien gegenseitig hochschaukeln? man sieht es, wenn die geschichte mit ihren faschistischen und kommunistischen systemen betrachtet-es endet in unendlich viel leid und millionen von toten.schade, dass du dich nicht von dieser sehr extremen sichtweise, ja von diesem aufruf zur gewalt distanzierst.damit hatte ich bei thejanewayne nicht gerechnet.
        julienne

        Antworten
    3. Nike Jane

      Liebe Julienne,
      schau, ich verstehe dich. Und ich respektiere deine Meinung. Mich treibt die Diskussion aber andersherum zur Verzweiflung. Niemand hat zur Gewalt aufgerufen – an dieser Stelle wünsche ich mir also auch, dass du sehr genau beachtest, was ich geantwortet habe, statt ein bisschen dran vorbei zu lesen.
      Aber zum Thema „Wo ist der Unterschied?“ mochte ich diesen Artikel von Johanna Warda zum Beispiel sehr gern, er fasst auch meine Gedanken akkurat zusammen:
      https://www.amazedmag.de/kolumne-das-heisse-eisen-rechts-und-links-sind-nicht-gleich-schlimm/
      „Das letzte Mal, dass eine linksextremistische Gruppe in Deutschland über Leichen ging, ist über 40 Jahre her.“

      Antworten
      1. julienne

        zu dem verlinkten artikel möchte ich anmerken, dass die RAF durchaus über leichen ging.und, was wichtiger ist: dass sich am gewaltpotential der antifa leider viel verändert hat.es wird billigend in kauf genommen, dass menschen verletzt oder getötet werden-da muss man sich nur die demonstrationen der letzten jahre anschauen.ganz aktuell leipzig am 7. november-es wurden fahrzeuge, sowohl reisebusse, als auch pkw (teilweise mit rentnern darin) durch barrikaden blockiert und aus nächster nähe mit pflastersteinen beworfen.
        so kann es doch einfach nicht weitergehen!

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        1. Ich

          JULIENNE! DAS IST WIRKLICH UNSER KLEINSTES PROBLEM!! Wir haben vor allem ein Problem mit Nazis und FASCHOS in unserer Regierung und mit einer rassistischen Gesellschaft!

          Antworten
          1. Nike Jane

            Schließe mich leider erstens „Ich“ an und zweitens frage ich mich: Wo steht denn hier überhaupt, „dass es billigend in Kauf genommen wird, dass Menschen verletzt werden oder sterben“?

        2. mara

          liebe julienne. vielleicht springst du nicht „für nazis in die bresche“. aber ich finde deinen fokus auf „linke gewalt“ dennoch fragwürdig – in zeiten, in denen geflüchteten-unterkünfte brennen. in zeiten von nicht genügend aufgearbeiteten nsu-prozessen. in zeiten von morden und attacken wie in hanau und halle. der mord an walter lübcke. in zeiten von christchurch. in zeiten von policeshootings in den usa. ihr wisst alle, ich könnte endlos weitermachen.

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          1. Anna

            Und deswegen ist es ok Gewalt mit Gewalt zu begegnen? Nur weil die eine unter dem Deckmäntelchen der „moralischen Überlegenheit“ (wer definiert das überhaupt?) stattfindet. Ich finde diese Einstellung ehrlich gesagt einfach zu unreflektiert und arrogant..

    4. Anna

      Vielen Dank Julienne für das Ansprechen dieser Thematik die mir hier leider auch sehr oft sehr unangenehm auffällt 🙂

      Antworten
  2. julienne

    ehe sich das hier hochschaukelt: ich wollte gern einen guten zweck unterstützen, als ich auf den link mit dem shirt klickte-da gibt es aber andere organisationen, die ich geeigneter finde.die diskussion über gute und böse gewalt halte ich für obsolet.
    julienne

    Antworten
  3. Ninotschka

    Differenzieren ist doch in dieser Sache so schwierig nicht: Es ist ein großer Unterschied, ob man eine menschenverachtende Ideologie zerstören möchte oder gerade aus dieser Ideologie heraus andere Menschen!
    Und eben so funktionieren die Grafiken auf den Shirts: Hier wird die Zerstörung rechtsradikaler Symbole oder typenhaft-rechtsradikaler Figuren (nicht Individuen!) dargestellt.
    Und grundsätzlicher: Seit den frühen Debatten zu Hate Speech hat sich doch sehr deutlich gezeigt, dass symbolisch bzw. medial vermittelte Gewalt und physische Gewalt eben nicht identisch sind.
    Und unpolitisch-popkulturell formuliert: Nur weil Tom und Jerry sich gegenseitig stets auf die Rübe hauen, sind ihre Fans nicht automatisch gewaltverherrlichend.
    Und schließlich als Parole: Nazis raus!

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  4. LaLotta

    Sarah zu deinen Haaren! Ich könnte mir so eine Länge zwischen Kinn und Schultern super vorstellen‍♀️ Dann kommt dein wunderschönes Gesicht und deine tollen Lippen noch mehr zur Geltung. Ich finde es auch immer sehr schön, wenn du deine Haare im Rolli verschwinden lässt…

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