Kassensturz: So lebt es sich in München mit 3000€ im Monat

12.01.2021 box1, Finanzen

Nur gut, dass angeregt durch smarte Leser*innen und Redaktionsmeetings der Kassensturz ins Leben gerufen wurde. Ein Format, in dem die This Is Jane Wayne Community über Geld, Routinen, Ausgaben und Einahmen plaudern darf und soll. Keinesfalls ein neu erfundenes Rad. Dafür aber ganz offen und ehrlich erzählt, damit auch ihr etwas von der viel besungenen und dringend notwendigen Transparenz in Sachen „über Geld reden“ habt. Jedes Mal eine andere, neue Lebensrealität.
Habt ihr vielleicht sogar selber Interesse und Zeit wie Energie, eine Woche mit uns zu porträtieren? Vielleicht auch Tipps und Anregungen für unser neues Format? Lasst uns gerne ein Kommentar da, wenn ihr mögt!

Maria, 31 Jahre alt, Vertrieb in München

Hallo, mein Name ist Marie und ich möchte mit euch über meine Finanzen reden. Marie ist allerdings nicht mein richtiger Name, denn ich habe, wie sicher viele von euch auch, eine Klausel in meinem Arbeitsvertrag unterschrieben, die mich zu Stillschweigen über mein Gehalt verpflichtet. Die Klausel ist zwar eigentlich nicht rechtens, dennoch möchte ich meinen Job nicht riskieren und auch meinem Arbeitgeber nicht in den Rücken fallen – denn trotz der blöden Klausel ist es ein sehr guter Arbeitgeber.

Zu meinem Hintergrund: Ich bin 31 Jahre alt und lebe seit 2017 in München, wo es mich durch einen Jobwechsel hin verschlagen hat. Vorher habe ich in einer kleineren Stadt gelebt, wo ich einen Master in Molekularbiologie gemacht und meinen jetzigen Ehemann kennengelernt habe. Wir wohnen seit 2015 zusammen. Damals, also mit 26 Jahren, hatte ich auch meinen ersten Job nach der Uni: Eine Stelle bei einem Auftragsforschungsinstitut. Die Arbeit war zwar spannend, aber die Bezahlung nach fünf Jahren Studium leider, kurz gesagt, grottig.

 
 
 
 
 
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In München arbeite ich nun im Vertrieb eines mittelständischen Biotech-Unternehmens. Nach Abzug aller Steuern habe ich pro Monat zwischen 2500€ und 3000€ zur Verfügung. Darin enthalten ist bereits ein kleiner Anteil umsatzabhängiger Bonus, den ich aber normalerweise nicht als fixe Einnahme mit einplane, da er stark schwanken kann.

Jeder hat wohl schon mal davon gehört, wie extrem hoch die Mieten in München sind. Das stimmt auch, wobei andere Städte diesem Wahnsinn mittlerweile wohl kaum mehr nachstehen. Mein Mann und ich hatten bei der Wohnungssuche großes Glück. Als Paar Anfang 30 mit zwei unbefristeten Arbeitsverträgen hatten wir aber auch gute Karten auf dem Wohnungsmarkt. Wir sind die klassischen DINKYs: Double income, no kids (yet). Mein Mann verdient etwas mehr als ich, wir teilen unsere Fixkosten aber 50/50 unter uns auf. Dazu überweisen wir jeden Monat eine entsprechende Summe auf unser Gemeinschaftskonto und ansonsten entscheidet jeder frei, was er oder sie mit dem eigenen Geld macht. Mir fiel diese Auflistung recht leicht, da ich tatsächlich seit meinem 15. Lebensjahr „Einnahmen“ und „Ausgaben“ tracke – und zwar ganz klassisch, in einem analogen Haushaltsbuch. Das hat einen sehr persönlichen Grund: Meine Mutter ist gestorben, als ich 12 Jahre alt war und in den folgenden Jahren gab es viele familiäre Konflikte, auch zum Thema Geld, weshalb ich das Gefühl hatte, mit niemandem darüber reden zu können oder zu wollen.

Geteilte Kosten mit meinem Mann:

 Miete 1240,00€

Nebenkosten (inkl. Heizung) 140,00€ 

Strom 20,00€ 

Internet 25,00€ 

Rundfunkbeitrag 5,50€ 

Auto (Versicherung & Steuern ohne tanken) 41,00€.

Haftpflichtversicherung 7,50€ 

Fixkosten nur für mich:

 BU-Versicherung 100,00€

Kontaktlinsen: 5,00€

_________________________________

Mein Anteil der Fixkosten: 844,00€

 

Als ich 15 war, habe ich mir daher mein Kindergeld und die Halbwaisenrente überweisen lassen (das waren damals etwa 300€) und mir damit alles, von Lebensmitteln über Klamotten bis Schulbücher, selbst gekauft, so dass ich niemanden jemals wieder nach Geld fragen musste.

Worauf hast du zuletzt lange gespart?

Ich habe lange gezögert, mir das Gravelbike zu kaufen (1200€), weil die Summe für ein einzelnes „Ding“ einfach so groß ist. Aber wirklich gespart, also regelmäßig Geld dafür zurückgelegt, habe ich nicht. Denn ich habe eigentlich immer ein paar Monatsgehälter auf der hohen Kante, überlege aber sehr genau, wofür ich was davon ausgebe.

 

Was hat deine Beziehung zum Geld geprägt?

Mir fiel diese Auflistung recht leicht, da ich tatsächlich seit meinem 15. Lebensjahr „Einnahmen“ und Ausgaben tracke. Und zwar ganz klassisch, in einem analogen Haushaltsbuch. Das hat einen sehr persönlichen Grund: Meine Mutter ist gestorben, als ich 12 Jahre alt war und in den folgenden Jahren gab es viele familiäre Konflikte, auch zum Thema Geld, weshalb ich das Gefühl hatte, mit niemandem darüber reden zu können oder zu wollen. Als ich 15 war, habe ich mir daher mein Kindergeld und die Halbwaisenrente überweisen lassen (das waren damals etwa 300€) und mir damit alles, von Lebensmitteln über Klamotten bis Schulbücher, selbst gekauft, so dass ich niemanden jemals wieder nach Geld fragen musste. Von einer Bekannten habe ich damals den Tipp bekommen, meine Ausgaben in dem Haushaltsbuch festzuhalten, um einen Überblick dafür zu bekommen, wie viel Geld ich wofür ausgebe und ob mir das reicht. Das hat auch gut funktioniert und war ein großes Glück, denn so habe ich immerhin auch Verantwortung für mein Geld entwickelt. Das mit dem Haushaltsbuch habe ich mir übrigens bis jetzt, mit 31 Jahren, beibehalten. Und auch, wenn mein Mann es in Zeiten von Online-Banking ein bisschen als „Tick“ ansieht, finde ich es immer noch sehr hilfreich.

Ich habe damals außerdem einen kleinen, fünfstelligen Betrag geerbt, auf den ich mit meinem 18. Geburtstag Zugriff bekam. Ich hätte das Geld am liebsten zurückgegeben, hätte ich damit nur den Grund rückgängig machen können, aus dem ich es bekommen habe. Aber das ging natürlich nicht und so bin ich dann mit 18 zur Sparkasse im Ort gegangen und habe gesagt „ich brauche damit bitte Hilfe“. So gesehen verdanke ich also auch der netten Mitarbeiterin von damals sehr viel, denn sie hat sich in mehreren Terminen mit mir hingesetzt und mir von Tagesgeldkonto über Sparkonto und Zuwachssparen (heute alles veraltet, aber damals für mich eine super Entscheidung) bis hin zu Fonds und auch Aktien ALLES erklärt. Sie hat mir da ein wirklich solides Fundament mitgegeben, von dem ich auch heute noch merke, wie wichtig es ist.

Ein Wendepunkt war dann natürlich, nach der Uni, das erste „richtige“ Geld zu verdienen. Ein echter Vollzeitjob, monatliches Gehalt statt Stundenlohn, das sogar gezahlt wird, wenn man krank oder im Urlaub ist. Ein Traum! Oder doch nicht?

Wir gehen in München deutlich öfter essen und ich leiste mir Dinge, über die ich früher nie nachgedacht hätte. Ein eigenes Snowboard zum Beispiel, oder mein neues Gravelbike für 1200€. Man denkt auch nicht mehr so viel darüber nach, wenn man die Familie besucht und allein für die Fahrt locker 100€ draufgehen, das ist eine schöne Verbesserung. Aber ich glaube, die Zurückhaltung mit Geld hat sich in meiner Jugend so sehr eingeprägt, dass es mir auch heute noch tendenziell schwerfällt, Geld „auf den Kopf zu hauen“. Oft ist es mein Mann, der mir sagt, kauf dir das ruhig, du hast es dir verdient – und witzigerweise muss ich ihm das auch manchmal sagen.

Auch über die Altersvorsorge mache ich mir Gedanken, seit ich richtiges Geld verdiene. Ich habe seit einiger Zeit ein starkes Bedürfnis nach Absicherung, obwohl ich bei dem Thema früher sehr viel unbekümmerter war. Vielleicht hat es mit dem Umzug nach München zu tun, jedenfalls haben wir vor zwei Jahren eine kleine Wohnung gekauft, für die wir einen Kredit aufgenommen haben, den wir über 10 Jahre abbezahlen. Die Wohnung ist vermietet und weil wir selbst wissen, wie es in der Stadt mit den Mieten ist, versuchen wir, ganz besonders fair zu sein. Die monatlichen Raten können wir mit der Miete plus 200€ pro Person zusätzlich gut stemmen. Im Sommer können wir dann noch eine Sonderzahlung machen, für die wir übers Jahr immer mal wieder Beträge beiseitelegen. Außerdem habe ich angefangen, mich mit Aktien zu beschäftigen. Ich lege jeden Monat 150€ in einem ETF an und kaufe hin und wieder auch einzelne Aktien, meist aus dem Biotech/Pharma Bereich, weil ich mich dort zumindest inhaltlich auskenne. Der Aktienmarkt kann zwar frustrierend sein, da die Stimmung bei den Anlegern oft entscheidender ist, als welche Zahlen ein Unternehmen tatsächlich schreibt. Aber wenn man das Risiko etwas streuen und Zeit mitbringen kann, ist es allemal besser, als Geld auf dem Girokonto zu lassen.

 

MONTAG

Montag ist meistens mein Bürotag. Seit Corona sind wir in der Firma angehalten, wenn möglich von zuhause zu arbeiten, was bei meinen Aufgaben auch sehr gut funktioniert. Ich komme mit dem Homeoffice auch vergleichsweise gut klar. Ich bin gerne in unserer Wohnung und gehe, wenn möglich, in der Mittagspause joggen. Was mir dennoch manchmal fehlt, ist der Weg zur Arbeit, denn den lege ich fast immer mit dem Fahrrad zurück, auch bei leichtem Regen und sogar bei Schnee (dann mit Skihelm und Skibrille). Darauf habe ich mich heute schon gefreut.

Kaffee trinke ich morgens zuhause mit meinem Mann und das Frühstück lasse ich im Büro meist ausfallen, da ich dort pünktlich um 12 Mittagspause mache. Zu Mittag habe ich mir heute früh einen gemischten Salat vorbereitet, dazu gab es eine Scheibe Brot und Obst zum Nachtisch. Da mein Tag sehr stressig war, hatte ich leider nicht mal Zeit für einen Kaffee am Nachmittag, den es bei uns kostenlos im Büro gibt (und der sogar sehr gut schmeckt).

Wofür hast du zuletzt Geld verschwendet?

Im Geld verschwenden bin ich ziemlich schlecht. Am ehesten „verschwenderisch“ kam mir wohl das Geldausgeben bei unserer Hochzeitsplanung vor zwei Jahren vor. Bei diesen Summen verliert man wirklich jede Relation zum Wert. Aber auch wenn es sehr viel Geld war, würde ich es nicht als verschwendet ansehen, denn wir hatten eine wunderschöne Zeit mit unseren liebsten Freunden und Verwandten, die aus allen Ecken der Welt extra für uns angereist sind, und wann kommt man nochmal so jung zusammen? Eben.

 

Gegen 6 habe ich mich auf den Heimweg gemacht und festgestellt, dass es seit der Zeitumstellung zu dieser Uhrzeit schon wieder dunkel ist. Das ist echt ätzend, da man zuhause dann das Gefühl hat, dass der Tag schon vorbei ist. Zuhause angekommen habe ich mit meinem Mann Abendbrot mit etwas Rohkost gegessen. Das machen wir fast täglich so, vor allem weil es uns gut schmeckt, schnell geht und nicht so schwer im Magen liegt, aber es spart auch gleichzeitig Geld. Wenn wir kochen, dann eher zu Mittag oder am Wochenende. Danach haben wir es uns auf der Couch gemütlich gemacht und vor dem Fernseher ein Glas Wein getrunken. Da ich heute nur Lebensmittel konsumiert habe und die alle noch auf Vorrat waren, lagen meine Ausgaben für den Tag bei 0€.

DIENSTAG

Heute stand dann wieder Homeoffice an, bei uns beiden. Vormittags arbeiten mein Mann und ich meistens gemeinsam in der Küche, da der Raum nach Osten ausgerichtet ist und dadurch schön hell. Morgens gab es Obst, zu Mittag haben wir gemeinsam Salat gegessen. Am Nachmittag teilen wir uns dann meist in der Wohnung auf, da wir beide Videocalls haben und uns dabei nicht gegenseitig auf die Nerven gehen wollen. Zur Kaffeepause haben wir uns aber wieder im Wohnzimmer getroffen.

Ein bisschen schwierig im Homeoffice ist es ja, den Feierabend einzuleiten. Da muss bei uns schon einer den anderen anhauen, den Laptop zuzuklappen und aktiv etwas Anderes zu machen. Da heute ein schöner, milder Tag war, haben wir schon um kurz vor 5 Feierabend gemacht und sind spazieren gegangen. Wir haben schon eine Standardroute im Viertel und halten normalerweise auch ab und zu bei unserem Lieblingsitaliener für einen Aperitif oder eine Pizza an. Aber da gerade durch den Lockdown alle Restaurants geschlossen haben, sind wir heute gar nicht erst in die Versuchung gekommen. Dafür sind wir eine große Runde gelaufen und als wir dann im Dunkeln und recht verfroren wieder zuhause angekommen sind, haben wir uns noch eine Badewanne gemacht. Das fühlt sich an einem kalten Herbstabend wie richtiger Luxus an.

MITTWOCH

Und wieder Homeoffice. Mittags bin ich dann eine Runde laufen gegangen. Mein Mann war in der Zeit im Supermarkt ein paar Lebensmittel holen (20€, mit der Gemeinschaftskarte gezahlt). Er hat unter anderem einen Wirsingkohl mitgebracht, den wir gleich zum Mittagessen zubereitet haben. Die Hälfte als Püree und die andere in der Pfanne gebraten, dazu Pellkartoffeln mit Quark. Da wir kein Fleisch essen, variieren wir viel beim Gemüse. Es ist unglaublich, aber man findet in der Gemüseabteilung immer wieder etwas Neues oder hat eine neue Idee, wie man etwas zubereiten kann. Auf Fleisch verzichten wir hauptsächlich aus moralischen Gründen, aber es spart zusätzlich auch viel Geld. Der Wirsing hat gerade mal 2€ gekostet und war so viel, dass wir sogar abends noch davon gegessen haben. Dann reichte es aber auch mal wieder mit Wirsing.

Kein Wirsing aber dafür ein Foto vom Curry eine Woche später geknipst!

Wofür gibst du ungern Geld aus?

Für Nippes und Anstandsgeschenke. Zeit ist mit Abstand unser wertvollstes Gut und man sollte sie nicht damit verschwenden, Dinge für jemanden zu suchen und zu kaufen, nur um z.B. bei einem Treffen „nicht mit leeren Händen dazustehen“. Ich finde, dass diese Zeit viel besser darin investiert wäre, sie miteinander zu verbringen.

Nach dem Abendessen haben wir uns noch Vanilleeis mit heißen Himbeeren gegönnt und einen Wein aufgemacht. Dabei haben wir ein paar Videocalls mit Familie und Freunden angezettelt, das machen wir regelmäßig mindestens einmal pro Woche. Danach habe ich noch etwas gelesen, aktuell ein Buch, das mir eine Kollegin weitergegeben hat (Drachenläufer von Khaleed Hosseini). Da ich gerne und recht viel lese, gebe ich im Schnitt monatlich etwa 10€ für Bücher aus, meist Ebooks. Die lese ich auf einem 6 Jahre alten Kindle.

DONNERSTAG

Heute war ich alleine im Homeoffice, mein Mann auf der Arbeit. Morgens habe ich mir eine Schüssel Haferflocken mit Hafermilch, Nüssen und Obst gemacht, das ist mein Lieblingsfrühstück. Mittags gab es Gemüsemaultaschen in Brühe (Instant, muss auch mal schnell gehen). Da auf der Arbeit viel los war, ging der Tag schnell vorbei und ich musste mich beeilen, um vor 5 Uhr noch schnell zu Edeka zu laufen. Ich hatte nämlich eine Überraschung für meinen Mann geplant: Candlelight Dinner im Wohnzimmer. Seit der Einschränkungen durch Corona ist es ja wichtig, auch in der eigenen Wohnung mal etwas Neues erleben zu können. Deshalb hatten wir irgendwann die Idee, einen kleinen Tisch an unser großes Wohnzimmerfenster zu stellen, ihn hübsch zu dekorieren und Kerzen aufzustellen, dazu schöne Hintergrundmusik, so dass man sich wie in einem schicken Restaurant fühlt. Ich habe Pasta „Melanzane e Parmigiano“ gekocht (also Pasta mit Aubergine und Parmesan, klingt aber auf Italienisch viel schöner), dazu Rucola-Salat und zum Dessert gab’s Eis. Für die fehlenden Zutaten, eine Flasche Wein und Apéro (hihi, klingt nämlich auch viel schöner als Chips) sind 10€ fällig geworden.

FREITAG

Ein neuer Tag im Homeoffice. Zum Frühstück gab es einen Apfel und eine Banane, da ich vom Abendessen gestern noch recht satt war. Mittags habe ich vegetarisches Chili mit Reis gekocht, von dem wir noch zwei Portionen für nächste Woche einfrieren konnten. Abends stand dann der wöchentliche Großeinkauf an: Wir gehen meist zu Lidl bei uns im Viertel für die Standardsachen, holen einige Spezialitäten im DM nebenan und hin und wieder was Besonderes bei Alnatura. Das Auto nehmen wir zum Einkaufen nur in Ausnahmefällen, also wenn Besuch oder eine Party ansteht. Aber auch der Wocheneinkauf ist manchmal schon so viel, dass wir mit zwei großen Rucksäcken und zusätzlichen Tragetaschen ordentlich zu schleppen haben – und damit vermutlich ziemlich witzig aussehen. Aber eine Strecke von 500 Metern, in der Stadt, mit dem Auto zu fahren, würde mir im Herzen wehtun.

Für den Einkauf wurden 56€ bei Lidl fällig und 6€ bei DM. Abends haben wir vom frischen Brot gegessen, danach frieren wir es immer ein und tauen nur einzelne Scheiben im Toaster auf. Der Abend ist dann so mit Fernsehen, Internet und Buch dahingeplätschert. Wir sind aber auch nicht allzu spät ins Bett, da wir am nächsten Tag etwas vorhatten!

SAMSTAG

Da für heute gutes Wetter angekündigt war, sind wir nicht viel später als unter der Woche aufgestanden, haben Kaffee und Brötchen eingepackt und sind mit den Rädern auf dem Autodach in die Berge gefahren. Das machen wir tatsächlich so oft wie möglich, wenn das Wetter einigermaßen gut ist. Ob wir dabei wandern, Rad fahren oder Schnee liegt, ist mir eigentlich egal, Hauptsache, es geht raus in die Natur. Für mich sind die Berge auch nach drei Jahren in München noch jedes Mal ein Wunder und wenn ich vor (oder auf) einem Gipfel stehe, wird mir bewusst, wie groß und alt der Berg ist und wie klein und vergänglich dagegen meine Probleme.

Eigentlich wollten wir dieses Mal eine „bike & hike“ Tour machen, haben aber den Schlüssel für das Fahrradschloss im Auto liegen lassen und mussten dann mittendrin und kurzerhand umplanen. Wir hatten zwar einen ungefähren Plan B, wussten aber beide nicht so genau, wie dort der Weg aussieht. Wir sind dann einfach trotzdem drauflosgefahren. Irgendwann wurde der Weg immer steiler und steiler, so steil, dass man schon gar nicht mehr fahren konnte, weil das Hinterrad unter einem durchgedreht ist. Da der „point of no return“ aber schon lange hinter uns lag, sind wir trotzdem weitergefahren bzw. haben weitergeschoben.

Dein Tipp zum „Reichsparen“?

Man braucht viel weniger, als man denkt
und im Zweifel ist Zeit wertvoller als Geld!

Es hat sich dann herausgestellt, dass wir „aus Versehen“ einen beliebten Wanderweg über einen Berggipfel gewählt hatten – die anderen Leute haben uns da oben mit unseren Rädern ganz schön schräg angeschaut. Sogar bergab war es teilweise so steil, dass wir schieben mussten. Aber runter kommt man ja bekanntlich immer und ganz ehrlich, diese „egal, lass es uns einfach ausprobieren“ Abenteuer liebe ich sogar am allermeisten. Und ich liebe vor allem, dass ich sie mit meinem Mann erleben kann, denn solche Erlebnisse schaffen eine unglaublich starke Verbindung, und wenn wir irgendwann alt und grau sind, dann kann einer von uns sagen, „weißt du noch, damals, als wir das Fahrradschloss im Auto vergessen haben…“ Und weil Abenteuer bekanntlich hungrig machen, sind wir auf dem Rückweg noch in einer Hütte eingekehrt. Dort hatten wir zwei Radler, einen gemischten Salat mit Bratkartoffeln und Spinatknödel, wofür wir inkl. Trinkgeld 33€ bezahlt haben.

SONNTAG

Den Sonntag haben wir ausgiebig zum Ausschlafen genutzt. Ich liebe es, am Wochenende Kaffee im Bett zu trinken und Zeitung zu lesen (5,50€ pro Ausgabe, die wir meist einzeln kaufen, wenn absehbar ist, dass wir am Wochenende Zeit dafür haben). Gegen 11 haben wir auch noch ausgiebig gefrühstückt und dann noch etwas mehr Zeitung gelesen. Habe ich schon erwähnt, dass ich Sonntage liebe?

Am Nachmittag wollten wir uns mit einer Freundin treffen, die in der Nachbarschaft wohnt und vor kurzem ein Baby bekommen hat. Wegen Corona wollten wir uns draußen treffen, das Wetter hat zum Glück mitgespielt. Wir haben eine Thermoskanne mit Tee vorbereitet und einen ausgiebigen Spaziergang an der Isar gemacht, jedenfalls so lange, bis sich das Baby gemeldet hat und SOFORT gestillt werden wollte. Aber im Großen und Ganzen fand ich es toll, wie entspannt die Freundin mit der Kleinen war und wie normal unsere Themen. Natürlich ging es viel um die Geburt und die ersten Wochen zu dritt, aber vor allem, weil ich auch gerne alles darüber wissen wollte. Abends haben mein Mann und ich dann noch etwas Kleines gegessen und anschließend ganz klassisch Tatort geschaut.

FAZIT

Fazit: Die Woche war eher auf der günstigen Seite, das liegt sicher auch am Corona Lockdown. Wie man sieht, gebe ich momentan hauptsächlich Geld für Lebensmittel und Wein aus. Ich kaufe vergleichsweise wenig Kleidung oder Deko. Diese Woche war auch kein größerer Posten fällig wie zum Beispiel das Auto zu tanken oder ein Friseurbesuch. Durch das regelmäßige Notieren meiner Ausgaben kann ich aber ganz gut einschätzen, wie viel Geld ich im Schnitt pro Woche ausgebe (größere Ausgaben miteingerechnet): Es sind etwa 150€, seit Corona um die 100€.

16 Kommentare

  1. Anna

    Ganz lieben Dank an Maria/Marie, für diese super interessanten Einblicke!
    Diese Reihe ist wirklich der Knaller. Danke Danke Danke <3

    Antworten
  2. mila

    Oh, das ist sehr interessant.
    Aber eine Frage hätte ich: Wie kommt man zu nur 5,5 € Rundfunkbeitrag im Monat? Und nur etwa 500 € für Steuer und Versicherung des Autos im Jahr? Da bin ich wirklich neugierig. 🙂

    Antworten
    1. Susa

      Und mich würde interessieren, bei welchem Stromanbieter die beiden zusammen nur 20€ bezahlen. Ich wohne alleine auf 45qm und zahle 47€. Ich bin bei eprimo, nach Preisvergleich, also nicht beim teuren Grundversorger. Habe einen neuen Herd, Kühlschrank, und Waschmaschine, alle mit geringem Verbrauch. Dafür allerdings leider einen Durchlauferhitzer –aber dank Homeoffice und wieder Single-Dasein dusche ich nicht mehr jeden Tag, haha.

      Antworten
      1. Anna

        Hallo Susa,
        ich bin vergangenen Sommer zu ENPURE (von Vattenfall) gewechselt, wohne ebenfalls auf 45qm und habe einen monatlichen Abschlag von 20e. Der Grundpreis in meinem Vertrag ist 5,85e/Monat und ich zahle einen Vebrauchspreis von 25,73ct/kwH. Vielleicht hilft es dir ja.
        Anna

        Antworten
    2. jule

      Hierzu muss ich etwas schreiben, ich habe einen smart for two und bezahle über die huk in coburg aktuell auch nur ca. 360€. steuer ist nichtmal 40€, da komme ich sogar nochmal drunter (unter die 500€)
      vielleicht ein kleineres auto kaufen. der wert der versicherung richtet sich auch nach dem model, wird es viel gefahren von jüngeren dann steigt der beitrag, auch wenn du selbst schon älter bist.

      Antworten
    3. Marie

      Hallo, „Marie“ hier!

      Danke erstmal für euer liebes Feedback bisher. Ich versuche mal, bei den Fixkosten zu helfen: Ein bisschen was ist da wohl durcheinander geraten, aber es sind (jedenfalls in Relation zur Miete) nur kleine Beträge.

      Rundfunkbeitrag ist wie bei allen 17,50 pro Monat, da wir zu zweit sind also 8,75 pro Person (weiß nicht wie sich der Fehler eingeschlichen hat).

      Strom sind 20 Euro pro Person, also 40 zusammen. Das ist auch weniger als wir in der vorigen Stadt bezahlt haben. Tatsächlich ist Strom eines der wenigen Dinge, die in München günstiger als anderswo sind. Wir sind aktuell bei Polarstern (Werbeslogan: Fährst du auf grüner Wiese Ski, ist es Zeit für Ökoenergie! :D). Grundpreis pro Monat 9,80, kWh 27 Cent. Wir sind sehr sparsam was Strom angeht und es ist wichtig zu Bedenken, dass wir beide beruflich viel reisen, also einige Wochen im Jahr keiner von uns Zuhause ist und Strom verbraucht. Wir haben 2019 weniger als 1500 kWh verbraucht. In 2020 wird es wohl auch mehr.

      Auto: Skoda Octavia (lange unfallfrei) versichert für 370 Euro im Jahr (Teilkasko), Steuer kostet etwa 130.

      Liebe Grüße, „Marie“

      Antworten
  3. Mia

    Ich bin auch bei Eprimo und mich würde dein Stromanbieter auch Sehr interessieren. genau dafür sind die Artikel super, wenn man dadurch vielleicht tatsächlich auch selbst etwas sparen kann. wäre toll du könntest dazu eine info geben ‚Marie‘! vielen dank

    Antworten
    1. jule

      hierzu möchte ich auch kurz etwas sagen:)
      wir sind auch bei eprimo und zahlen aktuell 49€ (mit baby – heizstrahler lief oft , sowie fön aktuell), mich würde das auch mit 20€ interessieren, oder sie meint ihr mann bezahlt nochmal 20€ dann passt 40€ das hatte ich zuvor alleine bezahlt mit freund

      Antworten
  4. Ninotschka

    Ich lese die „Kassenstürze“ gerne, aber mir fällt oft auf, wie wenig bei der Grundversorgung Nachhaltigkeit eine Rolle spielt: Einsparungen bei den laufenden Kostenfaktoren wie Strom, Lebensmittel etc. sind natürlich verlockend, aber genau hier lässt sich oft recht einfach ein Unterschied in Sachen Ökologie und sozialer Gerechtigkeit machen (Klima, Tiergesundheit, faire Löhne etc.). Ich finde es wichtig, nicht nur die individuellen, sondern die realen Kosten anzuschauen. Nachhaltigkeit und Solidarität sollten meiner Meinung nach – bei allem Verständnis für individuelle Sparpläne – nicht ignoriert werden: Schön, wenn man auf Fleisch verzichtet, das Auto für den Wocheneinkauf nicht nutzt o.ä., aber noch besser wäre es, nicht beim Discounter, sondern möglichst regionale und saisonale Produkte bzw. solche aus ökologischer Landwirtschaft und fairem Handel zu kaufen. Ähnliches gilt auch für Strom: Pseudo-Ökostrom hilft nicht bei der Energiewende, aber echte Ökostromanbieter leisten einen Beitrag… Kurz gesagt: Ich fänd‘ es toll, wenn der Faktor Nachhaltigkeit im Rahmen des „Kassensturzes“ stärker berücksichtigt werden könnte, damit deutlich wird, wie man alltäglichen Konsum möglichst nachhaltig gestalten kann, wo man vielleicht etwas mehr zahlen kann, um Unterschiede zu machen (z.B. beim Strom) und wo vielleicht nachhaltig auch besonders günstig ist (z.B. saisonales Gemüse)…

    Antworten
    1. Fabienne Sand Artikelautor

      Hey du!
      Danke für deinen Kommentar und den Impuls. Ich finde das sehr wichtig zu lesen und habe selber große Lust, diese Rubrik im Hinblick auf verschiedene Lebensrealitäten oder Alltagsentscheidungen noch einmal zu schärfen. Tatsächlich ist das aktuell nicht der Fokus der Reihe, ich finde den Impuls aber super und freue mich total mit einer interessierten LeserIn vllt. ein Special auszuarbeiten, bei dem wir ganz bewusst den Fokus auf finanzielle Entscheidungen im Kontext Nachhaltigkeit legen. Meldet euch gerne direkt hier: fabiennesnd@gmail.com

      Antworten
  5. Anna

    Hallo Ninotschka,
    ich bin – und damit geht es sicher dem Großteil so – total auf deiner Seite. Kurzfristige Einsparungen an den „falschen“ Ecken und Enden können in der Summe langfristige Nebenwirkungen nach sich ziehen, die in keiner Relation zu den vorherigen, vermeintlichen Einsparungen stehen. Die richtigen Kaufentscheidungen im Alltag zu treffen ist eine riesige Herausforderung. Und besser (im Sinne von: nachhaltiger für Umwelt und Gesellschaft etc.) geht immer, das wissen wir auch. Allerdings möchte ich auch betonen, wie toll ich es finde, wie sehr dieses notwendige Bewusstsein dafür in den bisherigen Kassenstürzen sowie auch hier in Marias/Maries Alltag präsent war. Das Ziel dieser Reihe ist ja, Alltagsrealitäten abzubilden und dazu gehört meiner Meinung nach eben auch, nicht alles 100%ig „richtig“ machen zu können. Es ist toll, wieviele Beitragende hier Second Hand Kleidung über Kleiderkreisel/Vinted kaufen, andere ihre Einkäufe im Bio-Supermarkt erledigen und wieder andere das bereits gelesene Buch von der Kollegin bekommen, anstatt es selbst neu zu kaufen. Gerade bei diesem Themenkomplex ist die Angriffsfläche so ungeheuer groß, dass ich es dann Schade finde, Dinge zu suchen, die xy noch besser machen könnte. Jede*r von uns hat Bereiche, in denen mal mehr / mal weniger der Aspekt Nachhaltigkeit präsent ist. Kompromisse sind okay! Es heißt ja nicht, dass uns die Arbeitskräfte beim Discounter wurscht sind oder wir es bevorzugen, uns in konventionellen Bananen mit einem extra großen ökologischen Fußabdruck zu suhlen. Inspirationen für einen nachhaltigen Konsum im Alltag sind immer willkommen, aber dann vielleicht nicht in den Kassenstürzen, bei denen es ja um ein realistisches Bild und nicht ein Idealbild handeln soll? Oder was meinst du/ihr?

    Antworten
    1. Melanie

      Liebe Anna,

      ich sehe das genauso wie Du. 🙂

      Man kann ALLES immer noch „besser / nachhaltiger“ machen. Mei, wen man was sucht, findet man bei jedem etwas wenig bis gar nicht Nachhaltiges. Ausser bei den Familien, deren Jahresmüll in eine Tupperdose passt. Ja, auch die gibt es.
      Aber bei uns anderen findet man immer was.

      Ich finde dieses Format super.

      Gerne warte ich auf den Kassensturz von Ninotschka. Evtl. hat sie auch Instagram? Wer suchet, der findet immer was. 😉

      Herzliche Grüße aus dem verschneiten München,
      Melanie

      Antworten
    2. Ninotschka

      Ja, es stimmt, Verzerrungen sind hier nicht nicht wünschenswert, die realistische Abbildung ist gerade ein wesentlicher Reiz der „Kassenstürze“. Und es ist richtig, dass viele Beiträgerinnen in bestimmten Bereichen nachhaltig konsumieren. Das finde ich toll! Natürlich geht es immer besser – da nehme ich mich wirklich gar nicht aus: Ich esse z.B. Fleisch, in Maßen und sehr bewusst (die meisten Tiere, die ich verspeise, kannte ich persönlich – ja, ich weiß, manch eine findet das zynisch, aber es ist eine Garantie für eine artgerechte, extensive und regionale Tierhaltung), aber ich weiß, dass das für meinen Co2-Footprint nicht ideal ist. Mein Ansatz ist: Nachhaltigkeit sollte nicht nur für Luxusartikel reserviert sein, sondern möglichst umfangreich im Alltag gelebt werden. Gerade weil es aber so schwierig ist, die alltäglichen Kaufentscheidungen nachhaltig und sozial gerecht zu gestalten, wünsche ich mir hier einen stärkeren Fokus, gerade auch als Inspiration. „Kassensturz“ heißt für mich eben auch, nicht nur die individellen Konten im Blick zu haben, sondern andere Kosten einzukalkulieren – die gehören, obgleich man sie nicht auf dem Kontoauszug sieht, doch auch zur Realität. Ich habe keine Lösung parat, wie man sie gut abbilden kann, aber das in irgendeiner Form einzukalkulieren, ist ja ein Anliegen von einigen Kassenstürzlerinnen. Entsprechend wollte ich anregen, in diese Richtung weiterzudenken. Und das passiert ja auch schon im Rahmen der kleinen Diskussion hier…

      Antworten
  6. Carla

    Interessante Reihe, gerne mehr davon. Ich lebe ebenfalls in München mit relativ ähnlichem Gehalt und verfluche nocheinmal mein Singleleben.
    „Single sein“ macht dich in München mit normalem Einkommen nämlich zu jemandem, der kein normales Einkommen mehr hat.

    Bei 2500 Euro „Einnahmen“ bleiben mir nach Abzug von Miete und Fixkosten für Versicherungen, Strom und Internet noch 1200 Euro übrig zum Leben. Ein Auto ist da ehrlicherweise einfach nicht mehr drin, wenn man nicht komplett bei 0 rauslaufen möchte, sondern zumindest ein bisschen was zurücklegen mag und ein bisschen Wert auf Qualität bei Lebensmitteln legt.

    Antworten
    1. Natalie

      Hi! Ich wohne zwar nicht in München, aber habe auch manchmal dran zu knabbern wie hoch die Kosten für einen Single sind. Möcjte sagen: I feel you! Wegen dem Auto wollte ich aber noch hinzufügen-nicht dass ich allgemeingültig sprechen kann-aber bei mir ist es so, dass ich einen 15 Jahre alten Peugeot 107 fahre und im Moment Teilkasko noch ca. 300 € im Jahr zahle (dann kommen halt noch Tankkosten und evtl checkups/Reparaturen hinzu). Und ein bisschen zum Sparen blieb eigentlich auch. Also, falls ich dir ein bisschen die Sorge nehmen kann, dass du vermutlich nicht bei 0 rauskommst, wenn du 1200 € zum Leben hast. Zumindest nicht bei nem kleinen Cityflitzer :).

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