Kassensturz: So lebt es sich als junge Familie mit kleinem Budget

22.06.2021 Leben, box2, Finanzen

So gut, dass angeregt durch smarte Leser*innen und Redaktionsmeetings der Kassensturz ins Leben gerufen wurde. Ein Format, in dem die This Is Jane Wayne Community über Geld, Routinen, Ausgaben und Einahmen plaudern darf – und soll. Keinesfalls ein neu erfundenes Rad, dafür aber ganz offen und ehrlich erzählt, damit auch ihr etwas von der viel besungenen und dringend notwendigen Transparenz in Sachen „über Geld reden“ habt. Jedes Mal eine andere, neue Lebensrealität. Dieses Mal sind es Sandra, Ama und Yuma aus Baden-Württemberg.

Habt ihr vielleicht sogar selber Interesse und Zeit wie Energie, eine Woche mit uns zu porträtieren? Vielleicht auch Tipps und Anregungen für unser Format? Lasst uns gerne einen Kommentar da.

Sandra, Ama und Yuma aus Baden-Württemberg

Hallo, wir sind Ama und Sandra und leben mit unserem 1,5 Jahre alten Kind in einer mittelgroßen Stadt in Baden-Württemberg. Ama ist gelernter Gestalter für visuelles Marketing und ich studiere eigentlich noch, arbeite aber in Teilzeit als Mediengestalterin im Verlagswesen. Die Geburt unseres Kindes im Februar 2020 fand zum Glück noch vor der Pandemie statt, jedoch schlitterten wir mit unserer Elternzeit sehr schnell in den ersten Lockdown. Wir sind also diese Eltern, die versuchen, trotz Pandemie ein normales erstes und zweites Lebensjahr mit unserem ersten Kind zu erleben.

Und das, obwohl uns das letzte Jahr nicht gerade viel Glück gebracht hat: Ama hat bereits im März seinen Job im Einzelhandel verloren, da war ich noch im Mutterschutz. Jedoch hatte mir meine Chefin ab Juli einen Teilzeit-Job besorgt, bei dem ich ohne Probleme von zu Hause aus arbeiten kann, sodass ich seither Stillen und Geldverdienen einigermaßen gut miteinander verbinden kann. Ama übernimmt seit einem Jahr also die Betreuung unseres Kindes, wenn ich 20 Stunden in der Woche arbeite. Auch wenn er gerade auf Jobsuche ist und nebenbei mit seinem Freund in der Werkstatt tüftelt, geht er mit unserem Sohn Yuma viel spazieren, hüpft in Pfützen, sucht nach Ameisen am Boden und nach Tauben in der Luft. Dadurch, dass unser Kind von Anfang an recht „pflegeleicht“ war, hat es meistens super geklappt, auch wenn ich nicht sechs, sondern nur maximal drei Stunden am Stück arbeiten kann, weil Yuma dann meine Brust und generell meine Anwesenheit und Aufmerksamkeit verlangt, die ich ihm natürlich gerne gebe.

Ama und ich sind beide in Familien aufgewachsen, die zwar aus Akademiker*innen bestehen, in unserer Kindheit aber dennoch wenig Geld zur Verfügung hatten, sodass teure Markenkleidung nie zur Debatte standen. Gleichzeitig haben sich unsere Eltern jeweils im Laufe der Zeit beruflich weiterentwickelt, sodass ihnen heute ausreichend viel Geld zur Verfügung stehen, von dem wir auch profitieren. Mein Studium wurde bis zum Zeitpunkt der Schwangerschaft (seither studiere ich nur in Beurlaubung und finanziere mir dies selbst) komplett von meinen Eltern finanziert, wofür ich sehr dankbar bin. Ama und ich haben zudem das Privileg, dass wir zwar finanziell unabhängig von unseren Elternhäusern sind, jedoch in schwierigen Situationen immer nach Geld fragen können und so bisher keine Kredite aufnehmen mussten. Dadurch, dass meine Familie immer schon überwiegend Secondhand-Kleidung getragen hat, konnte ich bereits früh meinen eigenen Stil entwickeln, worauf ich rückblickend sehr stolz bin. Ich wurde zwar in der Schule unter anderem deswegen gemobbt, weil ich keine modernen Kleidungsstücke getragen habe, aber spätestens als der „Retro“-Trend im Mainstream angekommen war, wurde ich dafür mehr oder weniger von anderen bewundert. Ich würde auch sagen, dass ich hierdurch das Selbermachen gelernt habe, schließlich macht die Not erfinderisch! Meine Mutter schenkte mir schon früh eine Nähmaschine und so konnte ich meine Kleidungsstücke zu etwas Besonderem machen, wodurch ich aus der Masse herausstechen konnte (was mir damals als Teenagerin und mit 20 noch sehr wichtig war).

Vor Yumas Geburt standen uns nicht sehr viel mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Ama hatte ungefähr einen Nettoverdienst von 1.200 Euro, weil er erst mit seiner Ausbildung fertig geworden war, und ich hatte mit meinem Hilfskraftsjob ca. 800 Euro Verdienst. Jedoch hatte mir mein Vater bis zur Schwangerschaft noch 300 Euro im Monat überwiesen, auf das ich dann verzichtet habe, weil ich der Meinung war, dass wir finanziell unabhängig sein sollten, wenn wir eine Familie gründen. Mittlerweile hat Ama übrigens einen Teilzeit-Job als Visual gefunden, sodass es für uns finanziell auch wieder „bergauf“ geht und wir neben der neuen Wohnung auch noch etwas mehr Geld zur Verfügung haben werden (etwa 3.000 Euro Netto-Haushalts-Verdienst).

 Natürlich mache ich mir Gedanken, ob man „mit so wenig Geld“ eine Familie ernähren kann. Aber aus eigener Erfahrung und der Erfahrungen unserer Familien kann ich mutig sagen, dass man für Kinder erstmal nur ganz viel Liebe, Zeit und vielleicht eine gute Umgebung braucht. Natürlich kosten Kinder ein Vermögen, das wird auch noch auf uns zukommen. Vor allem, wenn Yuma in die Pubertät kommt und wenn wir dann einmal seine Ausbildung finanzieren dürfen. Aber ich hoffe gerade sehr, dass es bei uns, finanziell gesehen, immer nur besser und nicht schlechter wird. Und falls es mal wieder schlechter werden sollte, dann vertraue ich darauf, dass wir aufgrund unseres niedrigen Lebensstandards schon irgendwie klarkommen werden: Wir haben schließlich (noch) kein Haus, kein Auto oder sonstige teure Anschaffungen mit laufenden Kosten. Aber natürlich träumt auch mein kleines Spießerherz irgendwann von einem Eigenheim irgendwo in der Natur inklusive großem Garten und keinem Nachbarn weit und breit! Vielleicht können wir uns diesen Traum irgendwann finanzieren.

Ich muss zugeben, ich habe manchmal Angst vor der Zukunft. Vor allem, wenn ich mich mit anderen Eltern vergleiche: Alle scheinen einen festen Job, guten Lohn und tolle Wohnungen zu haben. Und wir sind irgendwie wie zwei arme Studis, die ein Kind bekommen haben − ich bin ja wirklich Studi und arm sind wir auf dem Papier ja auch. Nur fühlt es sich für uns nicht so an. Wenn ich mich nicht mit anderen vergleiche und ich die kritischen Stimmen in meinem Kopf ausschalte, dann finde ich unser Lebensmodell ideal. Wir haben zwar wenig Geld, aber dafür sehr viel Zeit miteinander, können ausgiebig morgens tanzen, verstecken spielen, kuscheln, Bücher anschauen und Geschichten erzählen. Man hört ja immer, dass man die Anfangszeit genießen soll und ich finde auch, dass Zeit das allerwichtigste Gut ist!

Sandra ist 26 und studiert Linguistik, arbeitet nebenbei in Teilzeit im Verlagswesen. Ama ist 29 und gelernter Gestalter und möchte sich gemeinsam mit einem Freund selbstständig machen.

Netto-Einkommen:

1.100 Euro Verdienst S.

400 Euro Kinder- und Elterngeld

500 Euro Verdienst A.

______________________

Gesamt: ca. 2.000,00€ Netto Einnahmen

Fix-Kosten im Monat:

700 Euro Miete

100 Euro Strom, Gas, Internet

20 Euro Telefon A. und S.

5 Euro Spende

________________________

Gesamt: 825,00€ Euro Fixkosten

SONNTAG

Der Sonntag gehört uns als Familie, da können wir zu dritt etwas Schönes unternehmen – egal bei welchem Wetter. Bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad konnten wir nach dem Frühstück in den Park gehen (natürlich nicht ohne Snacks) und sind nach der Mittagspause am Nachmittag mit der Bahn zu unserer Lieblings-Eismanufaktur gefahren. Wir hätten uns die Fahrtkosten sparen können, wenn ich mein Fahrrad repariert hätte (wozu ich schon seit einem Jahr nicht komme), aber so hatte Yuma wenigstens seinen Spaß, denn für ihn ist Bahnfahren immer ein Erlebnis. Nach einem entspannten Nachmittag mit viel Gänseblümchenpflücken und Ameisenzählen ging es dann wieder nach Hause, wo uns Ama mit Spargel-Salat, den wir noch von der letzten Biokiste übrig hatten, bekochte.

Kosten:

Fahrkarten: 9,40 Euro
Eis: 6,20 Euro
Gesamt: 15,60 Euro

MONTAG

Der Tag startete für uns bereits um 7 Uhr, ich beschloss also, die ersten Sonnenstrahlen zu nutzen und ging mit Yuma im Kinderwagen joggen. Außerdem hatten wir kaum noch etwas fürs Frühstück da, also ging ich beim Rückweg kurz zu Lidl, um die wichtigsten Sachen für den Start der Woche einkaufen. Klar, Bio im Reformhaus ist besser als Bio bei Lidl, jedoch benötige ich aufgrund meiner Zöliakie auch glutenfreie Ersatzprodukte und die sind bei Lidl sehr günstig. Wenn ich etwas Zeit habe, backe ich mein Brot lieber selbst und auch die selbst gebackene Pizza schmeckt natürlich leckerer, aber heute hatte ich für die Arbeit einiges zu tun und daher musste die glutenfreie Tiefkühlpizza mit. Ama ging mit Yuma in den Park, vollgepackt mit Obst und Brötchen, und so konnte ich bis zum Nachmittag die Zeit für meine Arbeit nutzen. Am Nachmittag musste ich noch einmal das tolle Wetter genießen und traf mich mit einer Freundin im Park auf einen Kaffee. Da montags hier leider alle Cafés geschlossen hatten, war es der günstigere Kaffee vom Bäcker. So konnten wir mit Yuma über Wildblumenwiesen tollen und Käfer zählen.

Kosten:

Einkauf bei LIDL: 28,32 Euro
Kaffee beim Bäcker: 2,30 Euro
Gesamt: 30, 61 Euro

    Dein Tipp zum „Reichsparen“?

Mach das Beste aus dem, was du bereits hast! Das ist sicher einfacher gesagt als getan. Aber wenn man auf bestimmte Sachen verzichtet, spart man sich unnötige Ausgaben. Zum Beispiel Kleidung: Ama und ich lieben Kleidung und wollen auch immer modisch angezogen sein. Dennoch kaufen wir fast nie bei großen Kleidermarken, sondern haben uns schon früh angewöhnt, unsere Kleidung nach Bedarf umzunähen − aus Alt mach Neu also! Statt ausgetragene Kleidung wegzuwerfen, nähen wir neue daraus. Und Spaß macht es auch noch! Klar, man braucht Zeit und die haben wir nur selten für so etwas, aber manche DIYs kann man auch mit kleinen Handgriffen erledigen: z.B. ein altes Sweatshirt mit der Schere in ein Crop-Top „verwandeln“. Ich trage außerdem sehr gerne Kleidung meiner Omas und meiner Mutter, die sind „kostenlos“, aber von unbeschreiblichem Wert. Außerdem kann man auch hier bei Bedarf das Kleid oder die Bluse passend nähen. Auf Youtube findet man viele Videos und Inspirationen dazu, z.B. bei „How to slay Omas Kleiderschrank“.

DIENSTAG

Heute wachte Yuma bereits um 6 Uhr auf, diesmal ging jedoch Ama zum Bäcker und holte frisches Brot und ein paar Brötchen. Ich nutzte dann Yumas Vormittagsschläfchen, um ein Seminar von der Uni vorzubereiten und Texte zu lesen. Wirklich weit kam ich jedoch leider nicht. Denn am Nachmittag sind wir etwas außerhalb zu einem Waldstück gefahren, um einerseits das Wildtiergehege zu besuchen und andererseits einen Wohnungsbesichtigungstermin für eine 3-Zimmer-Wohnung mit Balkon in der Nähe wahrzunehmen. Ich wünsche mir schon lange eine Wohnung, die etwas mehr im Grünen liegt und bin dafür auch bereit, etwas abseits vom „Geschehen“ zu sein. Bisher reichen unsere 60 Quadratmeter vollkommen − schließlich sind wir der Meinung, dass ein 1-Jähriger noch kein eigenes Zimmer braucht − aber eine größere Wohnung inklusive Arbeitszimmer, in dem ich in Ruhe arbeiten kann (oder es mir zumindest erhoffe) für fast dieselbe Miete, das wäre schon was!

Am späten Nachmittag haben wir dann noch ein paar Würstchen und Fleisch fürs Abendessen beim lokalen Metzger geholt. Das Essen, das Ama gezaubert hat, sieht nicht nur toll aus, sondern hat auch super geschmeckt!

Kosten:

Bäcker: 3,75 Euro
Tickets zum Wald und zurück: 12,40 Euro
„Notfall“-Cola gegen Migräne: 1,50 Euro
Fleischer: 12,41 Euro
Gesamt: 33,81

MITTWOCH

Wir bekommen einmal die Woche eine Biokiste mit frischem Obst und Gemüse geliefert. Das kostet meistens um die 50 Euro, manchmal auch mehr, je nachdem, ob wir noch Milch und weitere Sachen wie Brot dazu bestellen. Dann müssen wir weniger einkaufen und auch weniger schleppen. Die heutigen Bio-Kisten (insgesamt 4 Stück) waren reich mit einigen Kostbarkeiten gefüllt: Erdbeeren, Rhabarber und eine kleine Melone waren auch dabei sowie Bio-Joghurt und Milch. Insgesamt haben die Kisten 79 Euro gekostet und die Lebensmittel reichen uns für die restliche Woche. Da wir zum Optiker in die Stadt mussten, um meine Brille wieder geradezubiegen und nach einer Sonnenbrille sowie einer Brille für Ama zu schauen, habe ich bei DM noch ein paar (glutenfreie) Snacks und eine glutenfreie Backmischung gekauft − schließlich ist morgen Feiertag und für Zölis wie mich ist es an Feiertagen ja nicht so einfach, Backwaren zu finden (außer vielleicht, wenn man in Berlin lebt). Später habe ich dann noch Haarschmuck für die Hochzeit gefunden, diese waren bei & Other Stories reduziert und haben insgesamt 10 Euro gekostet.

Am Abend habe ich mich noch mit meiner besten Freundin getroffen, mit der ich auf ihr neues Gehalt und unsere neue Wohnung im Grünen (juhu, es hat geklappt) anstoßen konnte. Wir haben bei einem Kiosk dafür das ultimative (alkoholfreie) Sommergetränk geholt: Espresso Tonic (Tonic Water mit einem Schuss Espresso und einer Scheibe Zitrone). Zur Feier des Tages hat meine Freundin mich dazu eingeladen.

Kosten:

Biokiste: 79 Euro
Einkauf bei dm: 7,50 Euro
Haarschmuck &otherstories: 10 Euro
Brötchen-Snack in der Stadt: 0,60 Euro
Espresso Tonic: eingeladen
Gesamt: 97, 10 Euro

DONNERSTAG

Da heute Feiertag ist, haben wir nach einem ausgiebigen Waffel-Frühstück unsere Sachen gepackt, um wieder mal in den Park zu gehen. Dort gibt es neben Bäumen, Spielplätzen und Wasserspringanlagen auch Tiere. Aufgrund der Hitze und weil unsere Waffel-Reste recht schnell aufgebraucht waren, haben wir uns noch einen kleinen Eis-Snack geholt, den wir uns geteilt haben. Gegen einen kleinen Sonnenbrand bei mir hat es jedoch nicht geholfen − ich sollte mich wirklich genauso gut um mich selbst kümmern, wie ich mich immer um unseren Kleinen kümmere. Später hat Ama dann wieder etwas aus unserer Biokiste gekocht und wir haben zu Hause ein bisschen geputzt und aufgeräumt, da morgen der „Opa“, aka Amas Papa, zu Besuch kommen wird.  

Kosten:

Eis: 2,50 Euro
Sonne: unbezahlbar
Sonnenbrand: gratis
Gesamt: 2,50 Euro

FREITAG

Nachdem wir Opa von der Haltestelle abgeholt haben, sind wir gemeinsam zum nächstgelegenen Spielplatz gegangen. Da es heute wieder erstaunlich heiß war, hatten wir alle schnell wieder Lust auf Eis (Leider habe ich es wieder nicht geschafft, ein Bild davon zu machen – das Eis musste einfach schnell aufgegessen werden). Danach kauften wir noch Zutaten für eine venezolanische Suppe ein, die Amas Vater bezahlte und die er uns für uns später zubereitete. Was ansonsten unsere Lieblingsbeschäftigung war? Steinchen in den Fluss werfen!

Kosten:

Eis (mit Trinkgeld): 10 Euro
Fleisch, Bohnen, Kochbananen: vom Opa bezahlt
Gesamt: 10 Euro

 

 

Wofür habt ihr in der letzten Zeit gespart?

Da wir im Juli heiraten wollen (toi toi toi) haben wir für unsere Hochzeit und natürlich auch für die Hochzeitsoutfits gespart. Wir werden zwar „nur“ eine kleine Grillparty haben, aber natürlich wollen wir dabei gut aussehen. Unsere beiden Kleiderschränke bestehen hauptsächlich aus Vintage-Teilen, die wir oft recht günstig in lokalen Secondhand-Shops gefunden haben. Aber zur Hochzeit darf es auch mal etwas Neues sein. Mein Hochzeitskleid habe ich in einem Online-Vintage-Store gefunden und ich habe für diesen Sommer-Seiden-Traum von Hugo Boss nur 50 Euro zahlen müssen. Darüber werde ich ein „durchsichtiges“ Kleid von & Other Stories tragen, das ich letzten Sommer im Sale für 25 Euro gekauft habe. Ama hat eine Anzughose bei COS für 79 Euro gefunden und trägt ein Vintage-Seiden-Hemd für 10 Euro.

SAMSTAG

Nachdem wir Opa wieder zur Haltestelle brachten, sind wir in der Stadt noch etwas spazieren gegangen. Yuma erfreute sich dabei sehr an den großen Pfützen, die von den nächtlichen Regenschauern hinterlassen wurde. Zum Mittag hatten wir noch die Reste der Suppe von gestern, sodass wir nicht extra einkaufen mussten. Am Abend machte Ama uns dann Reis, Bohnen und Kochbananen, die Amas Vater gestern auch gekauft hatte und die gebraten sehr köstlich geschmeckt haben. Heute haben wir kein Geld ausgegeben.

SONNTAG

Zum Abschluss der Woche sind Yuma und ich an den Fluss gegangen, um wieder mal Steinchen ins Wasser zu werfen und vorbeifahrenden Schiffen zuzuwinken (dabei ist dieses Bild von den tollen Wildblumen am Ufer des Flusses entstanden). Ama hat währenddessen die Zeit genutzt, um Bewerbungen zu schreiben und zudem die Küche für unsere neue Wohnung zu planen. Später haben wir draußen noch meine beste Freundin und ihren Partner gesehen und bei der nahe gelegenen Pizzeria, die auch glutenfreie Pizza anbietet, Pizza gekauft. Für Yuma sprang eine Sesamstange raus.

Kosten: 

Pizza und Pasta (mit Trinkgeld): 20 Euro
Sesamstange: 0,60 Euro
Gesamt: 20,60 Euro

Gesamtausgaben in einer Woche: 209,62 Euro

Damit endet unser finanzieller Wochenrückblick! Es war mal ganz gut zu beobachten, wofür wir wie viel Geld ausgeben. Rückblickend haben wir diese Woche recht viel Geld für Eis ausgegeben, da dies die erste wirkliche Sommerwoche mit hohen Temperaturen war. Auch die Fahrkarten zur Wohnungsbesichtigung und die Ausgaben für unsere Hochzeitsoutfits finden natürlich nicht jede Woche statt. Dafür wurden wir von Familie und Freund*innen teilweise eingeladen, sodass wir uns die Pizza am Sonntag leisten konnten. Von der Biokiste können wir uns noch bis Dienstag ernähren, bis dann am Mittwoch wieder die neue kommt.

Insgesamt sehe ich natürlich, wie privilegiert wir sind: Wir haben zwar derzeit wenig Geld zur Verfügung, jedoch haben wir die Aussicht auf mehr Verdienst, eine größere, schönere und bezahlbare Wohnung und zudem ein gutes Netzwerk von Familien und Freund*innen, die uns auch viel Kleidung und Spielsachen für Yuma schenken. Zum Beispiel haben wir von einer Verwandten ein ganzes Stoffwindel-Set geschenkt bekommen sowie ein Tragetuch, Woll-Walker, Schuhe und viele Kleidungsstücke von Oma und Opa und meiner Schwester erhalten. Dadurch konnten wir einige Kosten, auch laufende, einsparen. Generell versuchen wir weiterhin viel selberzumachen − ob es nun Kleidungsstücke, Essen oder Möbel sind − da dies nicht nur Kosten einspart, sondern auch die Kreativität fördert. Dennoch hoffen wir natürlich, dass Ama und ich uns beruflich weiterentwickeln können und folglich monatlich mehr Geld zur Verfügung haben, sodass wir uns auch mal wieder eine Reise ans Meer (z. B. nach Portugal) leisten können.

Liebe Grüße,
Ama, Sandra und Yuma <3

8 Kommentare

  1. Katha

    Das habe ich so gern gelesen, danke für’s Teilen, Sandra! Ich bin auch 26 und lebe ohne Kind ein ganz anderes Leben, umso schöner und spannender, einen Einblick in deins zu bekommen. Du machst das richtig toll.

    Antworten
  2. Anna

    Liebe Sandra, ich hab mich sehr über den Text gefreut. Ich bin auch Zöli und fand es sehr spannend zu sehen wie Du damit umgehst! Vielen Dank!

    Antworten
  3. Britta

    Liebe Sandra, habe deinen Einblick in deine Finanzen und dein Leben sehr gerne gelesen. Dein Text hinterlässt bei mir ein angenehmes Gefühl. Abseits und weit weg der Konsumgesellschaft, aber ganz nah an einem glücklichen alltäglichem Leben. Finde es toll wie ihr aus kleinen Dingen Großes macht und es geniest.

    P.S.: Dein Hochzeitskleid ist mega. 🙂 Alles Gute für Euch 🙂

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  4. Ann

    „Und wir sind irgendwie wie zwei arme Studis, die ein Kind bekommen haben − ich bin ja wirklich Studi und arm sind wir auf dem Papier ja auch. Nur fühlt es sich für uns nicht so an.“

    Das klingt nach einem wahnsinnig erstrebenswerten Gefühlszustand.

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  5. Frida

    Hey, ich habe auch mit Mitte zwanzig im Studium ohne finanzielle Absicherung meine Kinder bekommen. Und ich habe mir auch immer mal wieder Sorgen und auch Druck gemacht. Aber tatsächlich war es bei uns genauso, wie du vermutest: finanziell wird es immer besser. Und gerade für kleine Kinder braucht man vor allem Zeit und Nerven.
    Auch wenn das heutzutage ein vergleichsweise seltener Lebensentwurf ist und man so ein bisschen gegen den Strom schwimmt, hat das auch viele Vorteile. =)

    Alles Gute euch!

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  6. Rebecca

    Liebe Sandra, ich fand deinen Kassensturz sehr interessant und schön geschrieben. Ich habe zwar (noch) kein Kind, aber mache mir oft ähnliche Gedanken wie du. Sich mit dem Leben Gleichaltriger vergleichen und ein bisschen spießig vom Eigenheim träumen, das kenne ich nur zu gut. Wenn ich deinen Text aber so lese, dann macht euer Lebensentwurf ganz viel Sinn und mir viel Mut. Klar kann man auch mit kleinem Budget eine Familie haben und einfach zuversichtlich sein, dass schon alles werden wird! Für eine Leserin wie mich ist euer Lebensentwurf ein echtes Vorbild 🙂

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  7. Maria

    Liebe Sandra,
    reichlich verspätet, aber kann mich hier den Vorkommentator*innen nur anschließen. Es war echt schön, mal was so nahbares und unverstelltes zu lesen. Vielen lieben Dank und alles, alles gute dir und deiner Familie!

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