GIRLS TALK //
Die App „Natural Cycles“ soll reichen, um sicher zu verhüten.

02.03.2017 Feminismus, Gesellschaft

In unserer Reihe Girls Talk sprechen wir immer wieder über Themen, die ausnahmsweise nur uns Frauen ganz allein betreffen. Jedenfalls beinahe. #Breastpeast zum Beispiel, Elvie, die Pillenproblematik, oder Menstruationskappen. Heute ist die Verhütung an der Reihe und zwar aus gutem Grund: Mit ‚Natural Cycles‚ soll die schwedische Physikerin Elina Berglund eine Verhütungs-App erfunden haben, die ab sofort Pille und Kondom ersetzen könnte.

Verhütungs-App sind längst nichts Neues mehr, es gibt sie im Grunde wie Sand am Meer, zehn, zwanzig, dreißig, hunderte. Ist ja auch ein lukratives Geschäft, diese Fähigkeit zum Gebären im Zusammenspiel mit permanenter Lust. Nicht jeder Akt der Liebe oder Begierde soll heutzutage schließlich in einem befruchteten Ei münden. Weil wir zudem langsam aber die Sicher die Nase voll haben von Hormonen oder Kupfer und Kondome selbstredend lebensrettend sind, in einer Langzeitbeziehung mitunter aber auch mächtig lästig werden können, wird das Verlangen nach einer wirklichen Alternative immer dringlicher. Da halfen bisweilen auch Erfindungen wie ‚Persona‘ nicht weiter. Tatsächlich wollen sich nämlich nur die Wenigsten gänzlich auf die Präzision von Hormon-, Kupfer- oder Latex-freien Verhütungsmitteln, die sich ausschließlich auf Mathematik oder Temperaturmessungen stützen, verlassen. Nur, wer besonders wagemutig oder dem Kinderwunsch insgeheim nicht völlig abgeneigt ist, traut sich an die gängigen natürlichen Verfahrensweisen heran. So ist das auch bei mir. Obwohl ich meine Kupferspirale und die damit verbundene sinnflutartige Periode inklusive tagelanger Krämpfe aus des Teufels Folterkämmerlein verteufle, ebenso sehr wie all die vorangegangenen hormongepeitschten Pillen-Jahren, fehlte es mir für das Umsatteln auf Mutter Natur stets an Leichtsinn und Vertrauen in die Kraft der regelmäßigen Zyklen. Ich war also ganz Ohr, als eine Freundin mir dieser Tage von Natural Cycles berichtete – der Hoffnungsträgerin unter den Neuerfindungen, die bereits von mehr als 100.000 Frauen genutzt wird. Aber was genau steckt dahinter?

„Ich wollte meinem Körper eine Pause von der Pille gönnen, aber ich habe keine gute Form der natürlichen Verhütung gefunden. Also habe ich den Algorithmus einfach selbst geschrieben.“
– Berglund im Gespräch mit WIRED.

Auf den ersten Blick scheint Natural Cycles nicht viel anders zu machen als sämtliche Konkurrenzprodukte. Anhand eines Thermometers wird der Progesteronwert im weiblichen Körper bestimmt, der bekannter Weise Aufschluss über den Eissprung gibt. Ein Mal am Tag muss demnach zur etwa gleichen Uhrzeit die Körpertemperatur überprüft und in die App eingetragen werden, die wiederum nach etwa fünf Wochen gelernt haben soll, wie unser Uterus tickt. Hierzu wird ein eigens von Elina Berglund geschriebener Algorithmus verwendet, den die Co-Gründerin während ihrer Arbeit bei der Europäischen Organisation für Kernforschung entwickelte. Und genau jener soll um einiges verlässlicher sein als alles bisher auf den Markt Gebrachte. Diverse Studien ergaben einen Effektivitätsrate von 99,5% – Erstmals steht eine App der Pille in Punkto Sicherheit also in nichts nach. Jedenfalls wenn man den Machern selbst Glauben schenkt. Dafür spricht jedenfalls ein überraschender Schritt vom TÜV Süd – der hat Natural Cycles jüngst als erste Verhütungs-App weltweit offiziell zertifiziert. Mitunter auf der Grundlage einer klinischen Studie, welche die Daten von mehr als 4.000 Frauen zwischen 20 und 35 Jahren erfasste. Innerhalb eines Jahres kam es dabei zu insgesamt zehn Schwangerschaften an eigentlich „grünen“ Tagen.

Nun ist der menschliche Körper aber keine Maschine, ziemlich komplex und längst nicht allumfassend berechenbar. Was passiert also, wenn es zu Temperatur-Schwankungen kommt? Nach durchfeierten Nächten zum Beispiel, Alkoholkonsum, sportlichen Eskapaden oder hitzigen Stunden im Grippebett? Darüber zerbrechen sich derzeit auch Ärzte den Kopf. TECHBOOK hat bei Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, nachgefragt:

„Eine App, die darauf nicht vorbereitet ist und die wesentliche Gründe für Temperaturschwankungen nicht abfragt und einbezieht, ist als hochgradig unsicher anzusehen.“

Es dauerte allerdings nicht lange, bis sich Berglund gegen die Kritik wehrte. Selbstverständlich würde die App Temperaturschwankungen erkennen, egal, welchen Grund sie haben – dem Super-Algorithmus sei dank. Ebenfalls nicht außer Acht zu lassen sei an dieser Stelle zudem der Fakt, dass andere natürliche Verhütungen eine Fehlerquote von 25 hätten und zwar nicht zuletzt aufgrund oft fehlerhafter händischer Eingaben. Laut Berglund liegt die Fehlerquote bei Natural Cycles hingegen bei gerade einmal 0,7. Zum Vergleich: Die Pille liegt bei 0,9 – es werden also 9 von 1000 Frauen trotz Pille schwanger.

Tja, und was machen wir nun aus diesen durchwachsenen, aber immerhin hoffnungsvollen Erkenntnissen? Ist nun ein Freudenfest angebracht oder vehemente Skepsis? Was tun? Probieren statt studieren? Abwarten? Oder zur Abwechslung mal aufs Ganze gehen? Ich bin mir selbst noch nicht sicher, aber ich würde mir von ganzem Herzen wünschen, dass das hier groß wird. Auch, damit finanziell weniger privilegierte Frauen einen besseren Zugang zur Verhütungsmethoden bekommen. 5,40 € pro kostet die App pro Monat. In Großbritannien könnten die Kosten künftig womöglich sogar von den Kassen übernommen werden.

Alle Infos zu Natural Cycles findet ihr auf der offiziellen Website.

21 Kommentare

  1. Linda

    Liebe Nike,
    Vielen Dank für diesen Artikel!
    „…, der bekannterweise Ausschluss…“ meint vermutlich Aufschluss
    Liebe Grüße

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  2. fachfrau

    Dieser Beitrag beinhaltet leider einen ganz eklatanten Fehler: Der Pearl Index der Pille beträgt 0,1 bis 0,9, also locker zehnmal weniger als behauptet. Die sogenannten natürlichen Methoden liegen bei 3, die Kalendermethode bei 9. Alles bei pro familia nachzulesen. Wo wäre genau der Vorteil der App? Ein Mindestmaß an Recherche wäre angebracht, geradge bei einem so wichtigen Thema.

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    1. Karo

      Achtung, der Pearl-Index rechnet auf Hundert Frauen, die Studie von Natural Cycles auf Tausend Frauen. Daher die Verschiebung um eine Dezimalstelle. Natural cycles hat mithin einen Pearl Index von 0,7. Nike hat quasi nur den Referenzwert fälschlicherweise mit 100 satt mit 1000 angegeben, der Unterschied von Pille und App ist aber korrekt.

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      1. Karo

        Super, jetzt stimmt alles! Insgesamt ein toller Artikel, vielen Dank dafür! ich habe schon früher von der App gehört, aber ich traue mich noch nicht so richtig ran. Vielleicht nach dem nächsten Stimmungstief in pillengesteuerten Hormongewittern. Ich finde es auf jeden Fall richtig gut, dass uns endlich eine echte Alternative zu nebenwirkungsreichen Pillen und Spiralen eröffnet wird. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur sexuellen Selbstbestimmung der Frauen!

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  3. Steffi

    Liebe Nike, anhand dieses Artikels merkt man einfach deine journalistische Ausbildung im Hintergrund. Nicht-hormonelle Verhütung ist ja gerade in der Bloggerwelt ein großes Thema und ich danke dir für einen differenzierten Artikel. Mir standen beim Lesen von so manch anderer Kollegin leider die Haare zu Berge, denn es handelt sich bei der Pille schließlich immer noch um ein Medikament, welches gänzlich und in aller Linie in einem (offensichtlich von der App gesponsorten Beitrag) zu verteufeln schlichtweg falsch ist. Du machst das aber nicht und dafür nochmals großes Lob! Und wenn fachfrau mit ihrem Kommentar Recht haben sollte, so bin ich mir sicher, dass Nike das in aller journalistischen Manier nach recherchieren und berichtigen würde.

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  4. CH

    JA! Zugang zu Verhütung für jede Frau möglich machen – so wichtig (in mir krampft sich alles zusammen, wenn ich dran denke, wie der finanzielle Abschuss von Planned Parenthood in den USA durch Mr. T. unter anderem genau das einschränken wird). ABER: Dafür braucht es keine App und keinen Algorithmus. Und frau muss noch nicht mal 5€ pro Monat ausgeben. Die App benutzt die Hälfte von NFP (Thermepaturmessen), oder auch – besserer Name für die sehr gut erforschte und belegte Methode – Sensiplan. Dafür braucht es ein Thermometer (kostet keine 20 € und hält Jaaahre), Zyklusblätter und Verstand. Es is einfach so schrecklich, dass diese sichere, natürlich Methode keine Lobby hat und mit so vielen Vorurteilen belastet ist (man braucht KEINEN super regelmäßigen Zyklus, damit sie sich ist!). Sie hat nämlich etwas ganz feministisches: Mit der Methode kann Frau sich, ihren Körper und ihre Fruchtbarkeit besser kennen lernen als jede App, jeder Arzt, jeder Mann. In den USA ist die ganze Methodik unter dem Namen „taking charge of your fertility“ bekannt – ich finde, das trifft es sehr schön. Es muss dabei auch nicht nur ums Verhüten gehen.
    @fachfrau: Nike schreibt nichts von Pearl-Index, sondern von Effektivitätsrate. Das ist nicht das selbe. Also kein eklatanter Fehler oder schlechte Recherche;-)

    Die Methodensicherheit von Sensiplan liegt übrigens bei 0,4 (Pearl-Index) und darf nicht mit allen anderen „natürlichen Methoden“ zusammengeworfen werden. Die Infos dazu fund grundsätzlich zur Methode indet man hier: http://www.nfp-online.com/?page_id=3778I
    Und übrigens: Sensiplan kann man auch machen, wenn man eine Spirale trägt. Dann halt nicht zur Verhütung, sondern zur Beobachtung.

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    1. Rini

      Vielen Dank, liebe CH. Das sehe ich ganz genau so. Und wer doch lieber eine app statt Zyklusblätter benutzen möchte, auch die gibt es im Angebot. Für einmalig ca. 6 €. Mein Thermometer mit zwei Dezimalstellen hat schlappe 5 € gekostet.
      Ich praktiziere die Methode seit gut eineinhalb Jahren. Man findet sich wirklich schnell ein. Noch nie zuvor habe ich die Zeichen meines Körpers so bewusst wahrgenommen. Ja, ich muss konsequent vor dem ersten Aufstehen messen, aber die Pille musste ich mir auch regelmäßig zur gleichen Zeit einwerfen. Auch die „Schleimkontrolle“ fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, gehört inzwischen aber zur Routine. Unregelmäßige Zyklen sind kein Problem, im Zweifel habe ich eben mehr potentiell fruchtbare Tage und muss entsprechend handeln.

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  5. Sabrina

    Ich kann den Vorrednerinnen nur zustimmen und wundere mich derzeit auch um die „Sensation“, die hier vekauft wird (also nicht von Dir Nike, sondern eher unter anderen Schlagzeilen bei anderen Medien). Mit NFP/Sensiplan gibt es etwas ähnliches mit weitaus größerer Sicherheit, da zwei Faktoren einbezogen werden und nicht nur die Temperatur ausschlaggebend ist.

    Die App oben würde für mich nicht in Frage kommen. Auch wenn die Erfinderin sagt, der Algorithmus würde Störfaktoren, die zu Temperaturschwankungen führen, erkennen – wie kann ich mir sicher sein, dass er einen ersten Tag des Temperaturanstiegs, den ich bei NFP nach einer unruhigen Nacht klammern würde, auch als solchen erkennt? Da habe ich doch zig offenen Fragen, auf die ich bestimmt keine Antworten bekäme, weil der Algorithmus das Geschäftsgeheimnis ist. Mit dem Wissen, das NFP mir über meinen Zyklus gegeben hat, sind die „Antworten“ der App nicht ausreichend.

    Die Kosten für NFP App und Thermometer sind weitaus geringer, die Sicherheit ist extrem hoch und dazu habe ich ein völlig neues Körpergefühl entwickelt. Ich begreife es auch nicht als „Verhütungsmittel“, sondern als Instrument, mit dem ich ermitteln kann, wann ich überhaupt Verhütung brauche.

    Apps wie die vorgestellte sind sicher ein Weg, Frauen zu ermutigen, sich mit ihrem Zyklus auseinanderzusetzen. Aber das Marketing als „Verhütung“ schätze ich intuitiv erstmal kritisch ein.

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  6. Anne

    Liebste Nike,
    Es ist so toll, dass du bzw. Ihr über solche Themen schreibt.
    Ich habe gerade nach 9 Jahren die Pille abgesetzt und bin einerseits gespannt, habe natürlich aber auch sorge was jetzt mit meinem Körper passiert!:)
    Ich bin sehr froh, dass ich diese Hormone nun nicht mehr zu mir nehme, als junges Mädchen denkt man gar nicht darüber nach was das alles mit einem macht und heute guckt man jegliches Medikament nach und was das für den Körper heißt!
    Danke! <3

    Liebst anne
    http://www.einfachanne.wordpress.com

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  7. Suse

    Ich weiß überhaupt nicht, warum alle Welt über diese App spricht. Ich habe 10 Jahre lang absolut erfolgreich mit nfp verhütet und kannte meinen Körper zum Schluss so gut, dass ich am Ende nichtmal mehr groß messen musste. Jetzt bin ich gewollt schwanger und auch dabei hat meine Erfahrung mit nfp mir geholfen. Manchmal kommt es mir so vor, als würden die meisten Menschen denken, nicht schwanger werden ist ganz große Hexerei. Dabei muss man sich einfach mal ein bisschen mit der Materie auseinandersetzen… Diesen Artikel hier empfinde ich allerdings als gelungen und bodenständig. War jetzt keine Kritik an den Jane Waynes 😉
    Übrigens gibt’s zu nfp auch zahlreiche Studien, die man sich alle mal angucken kann.

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  8. Simone

    Ich verhüte mit Persona. Das war mein erster Schritt nach dem absetzen der Pille nach 10Jahren Einnahme. Damit fühle ich mich sehr wohl & habe so viel mehr meinen Körper verstanden und dazu gelernt.
    Mit NFP werde ich mich zukünftig auch auseinander setzen, das klingt nämlich in allen Aspekten gut & spannend.
    Wo kann ich denn am besten recherchieren um auf NFP umzusteigen ? Kann mir jemand gute Seiten empfehlen ?
    Liebe ! ♡

    Antworten
    1. Sabrina

      Hallo Simone,

      ich kann Dir sehr das Buch „Natürlich und Sicher – das Praxisbuch“ empfehlen. Da steht alles gut erklärt drin, was man wissen muss. https://www.amazon.de/Nat%C3%BCrlich-sicher-Praxisbuch-Familienplanung-Sensiplan/dp/3830423640/ref=pd_sbs_14_t_0?_encoding=UTF8&psc=1&refRID=377ERGBA1EV47M2MD9VS

      Für den Einstieg gibt es auch bei http://www.mynfp.de viele Infos und Erklärungen und ein Forum, in dem gern geholfen wird. Deren App nutze ich auch (kostet einmalig 6€), da sie regelkonform auswertet. Alternativ gibt es noch http://www.nfp-forum.de, um sich auszutauschen bzw. von anderen zu lernen (dort kann man online eine Kurve führen und andere bitten mal draufzuschauen).

      Antworten
    2. CH

      Die beste Quelle im www für Sensiplan ist diese Seite: http://nfp-online.de/ Die Arbeitsgruppe NFP der Malteser hat die Methode entwicklt und erforscht sie auch weiterhin. Zum Einstieg/Lernen ist außerdem dieses Buch perfekt: Natürlich & sicher: Das Praxisbuch (erscheint im Trias-Verlag ISBN-10: 3830435584) Viel Spaß 😉

      Antworten
  9. fachfrau

    @CH: Ich will ja nicht kleinlich sein, aber wie ist denn die „Effektivitätsrate“ definiert? Der Erfolg einer Verhütungsmethode, also die „Effektivität“, ergibt sich ja aus dem Pearl-Index, also der Versagerquote pro 100 Frauen pro Jahr. Und der ist tatsächlich für die Pille leider im Text um eine Zehnerpotenz falsch angegeben („Es werden 9 von 100 Frauen trotz Pille schwanger.“) Es sind eben nur 9 von 1000.

    Antworten
    1. Nike Jane Artikelautor

      Ihr Lieben, jetzt bin ich selbst verwirrt, habe mich zudem noch verwirren lassen und etwas vorschnell die Zahlen geändert. Nun bin ich komplett raus. SOS. Ich hoffe, jetzt stimmts.

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    2. CH

      Entschuldige bitte, fachfrau – ich glaube ich habe vorhin den letzten Satz nicht gesehen und dachte du beziehst dich auf die Angabe zur Effektivitätsrate 🙂 Zum Thema Pearl-Index kann man meiner Meinung nach ein ziemliches Fass aufmachen, besonders, wenn verschiedene Verhütungsmethoden verglichen werden. Es ist nun mal so, dass bei den hormonellen Verhütungsmethoden (Pille, Nuvaring, Stäbchen etc.) Pharmafirmen sehr viel Kohle in Studien stecken (bzw. stecken müssen für die Zulassung), bei der in der Regel relativ große Patientenpopulationen betrachtet werden können. Bei vielen anderen Methoden, besonders bei den natürlich, steckt eben nicht das große Geld dahinter, was bedeutet, dass die Daten, auf denen der angegebene Pearl-Index beruht, oft viel viel kleiner und viel weniger verlässlich sind. Dann werden die Pearl Indices aber einfach so verglichen, ohne das überhaupt klar ist, welche Studien dahinterstehen. Dazu müsste man eigentlich noch in Methoden- und Anwendungssicherheit trennen. Die Anwendungssicherheit ist bei der Pille nämlich auch etwas niedriger als die Methodensicherheit.

      Aber wie dem auch sei – ich will hier nicht auf medizinischer Statistik rumreiten und ich glaube hier bezweifelt auch niemand, dass die Pille eine super sichere Verhütungsmethode ist. Mir und wahrscheinlich auch den mit kommentierenden Frauen geht es eher darum, klar zu machen, dass es eben eine sichere, natürlich Alternative gibt, für all diejenigen, die nicht die Pille nehmen möchten oder können. Wahlfreiheit. Und die gibt es schon länger – auch ohne App. Wissen nur leider so wenig Frauen 🙁

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  10. Thesa

    Ich bin jemand, der aufgrund sehr schlechter Erfahrung mit hormoneller Verhütung schon vor vielen Jahren auf hormonfreie Verhütungsmethoden umgestellt hat, erst ganz klassisch die Methode sensiplan (NFP) und mittlerweile bin ich beim cyclotest myway. Im Prinzip ist der sehr ähnlich zu dieser App, da er auch auf einem Algorithmus basiert. Allerdings messe ich damit nicht nur die Basaltemperatur (übrigens, die Kritik an der Unsicherheit der Temperaturmethode finde ich undifferenziert, natürlich klammert man Werte zu Grippezeiten oder nach durchzechten Nächten aus), sondern kann noch ein zweites Merkmal beobachten, Zervixschleim oder Ovulationstests.
    Ich weiß natürlich nicht, welcher Algorithmus besser ist, bin aber noch ein wenig skeptisch. Ich glaube meine Tendenz ist: erstmal abwarten und schauen wie die App sich in der Praxis bewährt. Bis dahin bleibe ich erstmal beim myway.

    Antworten
    1. Maria

      In der Tat gibt es viele alternative Apps mit ähnlicher Funktionalität, die hier auch erwähnt werden sollten (ich verwende zum Beispiel Kindara und bin sehr zufrieden). Meiner Meinung nach ist es auch sinnvoll, erst die NFP-Methode zu lernen — dann weiß man nämlich, was hinter der „fruchtbar/unfruchtbar“-Ansage steckt, die die App da jeden Tag ausspuckt. Je mehr Wissen, desto weniger mysteriös, desto mehr Vertrauen (bzw. man muss sich nicht blind auf den Algorithmus verlassen, sondern weiß genau, welche Temperaturen die wirklich wichtigen sind und nach einer schlaflosen Nacht etc. ausgeklammert gehören)!

      Ob der TÜV eine Methode anerkennt oder nicht, ist für mich eher zweitrangig. Viel wichtiger: ist die Verlässlichkeit wissenschaftlich untersucht. Für NFP ist das definitv der Fall: http://humrep.oxfordjournals.org/content/22/5/1310.full.pdf+html

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      1. Thesa

        Na, so unwichtig finde ich das mit dem TÜV nicht bei Medikamenten oder allen gesundheitlichen Apps, Methoden etc. Denn wenn der TÜV sagt, die entsprechen den Standards, ist das gerade bei neuen Produkten oder Geräten oder Apps immerhin für Verbraucher eine Garantie, dass man da keinen Humbug kauft. Ich hacte da definitiv drauf.

        NFP gibt es ja nun schon viel länger, und die Methode wird ja auch eigentlich von allen Fachmagazinen, inklusve WHO als hochsicher empfohlen, von daher ist das da nochmals was anderes als bei einer brandneuen App, von der man erstmal nicht weiß, ob da wirklich das fundierte Wissen dahinter steht.

        Den myway wiederum gibt es auch schon ein paar Järchen länger, da hat sich ja zum Glück auch schon rumgesprochen, dass der zuverlässig ist (anders als so manch anderer Zykluscomputer). Stimme dir aber zu, NFP-Wissen – wenn auch nicht erfoderlich – kann nie schaden.

        LG

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  11. Carolin

    Es wurde ja schon mehrfach hier gesagt, aber statt einem Algorithmus irgendeiner App zu vertrauen ist es besser, das eigene Köpfchen zu benutzen und sich mit NFP/Sensiplan vertraut zu machen. Über den Pearl-Index der Methode wurde ja schon weiter oben gesprochen. Die Kosten sind unwahrscheinlich gering, ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen kostet ca. 5€ in der Apotheke und hält jahrelang, das Buch „Natürlich und sicher“ um die 15€.

    Ich persönlich habe mit NFP 10 Jahre lang erfolgreich verhütet (es gab kein eines Mal Unsicherheit darüber, ob etwas hätte „passiert“ sein können) während eine Schwangerschaft bei mir absolut nicht in Frage kam. Die Methode ist sicher wenn man die Regeln beachtet. Und nach 10 Jahren wurde ich mit NFP gewollt schwanger, und zwar auf Anhieb. Meiner händischen Auswertung kann ich vertrauen, die Methode kostet mich kaum Zeit (da ich meine Zyklen kenne muss ich nur ca. 10 Tage im Zyklus messen und Zervixschleim beobachten und habe ansonsten meine Ruhe), sie hat keine Folgekosten außer ab und zu einer neuen Batterie für das Thermometer, sie hat keine Nebenwirkungen und Langzeitfolgen außer, dass ich meinen Körper nun so gut kenne, wie ich mir das im Leben nicht hätte vorstellen können. Und für alle, die sagen „aber ich fühle meinen Eisprung ja eh schon, ich muss da nix messen“ … es lohnt sich, sich dennoch in NFP einzulesen und mal rumzuprobieren, denn oft stellen Frauen dann fest, dass das, was sie gefühlt für den Eisprung hielten absolut kein sicheres Zeichen für irgendwas ist 😉

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    1. Thesa

      Ich sag mal so, nicht jede Frau hat das gleiche Interesse, sich mit ihrem Zyklus zu beschäftigen und sich eine Methode anzueignen. Egal, wie man jetzt persönlich dazu steht (ich bin auch eher jemand, der sich da lieber zu viel Wissen aneignet als zu wenig), das ist nun mal so.
      Ich vergleiche das mal mit der Orientierung. Klar kannst du dir selber den Weg in einer neuen Stadt merken und lernst die Stadt auch dadurch ganz anders kennen. Aber nicht jeder hat Lust und Zeit dazu – weswegen ja auch die halbe Welt Google Maps nutzt.
      So ähnlich ist das mit diesen Apps. Die machen das Prozedere für viele Frauen so einfach, dass es attraktiv wird als Methode. Wenn dabei die gleich Sicherheit garantiert wird (na ja, oder zumindest im gleichen Bereich), finde ich das auch okay, wenn Frauen das nutzen.

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