All eyes on // Muscheln, Perlen & noch mehr Accessoires aus dem Meer

30.05.2018 Accessoire

In der Mode kommt alles wieder, so sagt man, und erreicht man ein gewisses Alter, so sitzt man selbst vor den neu benannten Trends und schüttelt wahlweise den Kopf, schmunzelt in sich hinein oder stellt mit Grauen fest, wie viele Jahre zwischen dem Früher und dem Heute liegen. Dass wir regelmäßig von Comebacks und Revivals umgeben sind, liegt keineswegs an der Tatsache, dass Designer*innen nichts Neues mehr einfällt, vielmehr ähneln Stimmungen von damals doch sehr der Gegenwart, weil auch politische Unruhen (leider) in einem immer wieder kehrenden Rhythmus stecken und ähnliche Gefühle des Widerstands oder dem Freiheitsdrang in uns hervorrufen. Es gibt aber auch ganz naheliegende Erklärungen, warum Strömungen uns einfach in regelmäßigen Zyklen so sehr um den Finger wickeln: Weil wir sie selbst hautnah miterlebten, sie unsere Jugend prägten und verrückte Erinnerungen wachrufen. Und so geht es eben auch einer Menge tonangebender Designer*innen, die in unserem Alter stecken, mitmischen und ähnliche Sehnsüchte fühlen und Assoziationen verfolgen – und dementsprechend Schuld an den sogenannten Comebacks sind.

Und in welchem omnipräsenten Trendstrudel stecken wir derzeit? Im Muschel- und Perlen-Rausch! Bereits in den 90ern, in einer Hochphase der Surferboys und Marken wie Roxy und Quicksilver, knüpften wir uns schon feinstes aus dem Meer um unsere Fußgelänke und sangen vor dem Spiegel im Duett mit Nick Carter „I want it that way“.

Prada Fall 2017

Prada Fall 2017

Prada Fall 2017

Zugeben, das Wort „cheesy“ steht in direkter Verbindung zu dieser Zeit, jedoch wissen die Kreateure von heute ganz genau, wie sie uns sämtliche Assoziationen vergessen lassen und wie ihnen der Dreh ins Jahr 2018 mühelos gelingt: Mit Bewusstseinserweiterung und Nachhaltigkeitsgedanken. Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht über steigende Pegel der Weltmeere sprechen, Bilder von gestrandeten Walen sehen, die durch unsere Plastik(-tüten, fässer und flaschen)-Katastrophe qualvoll verendeten oder eine Woche, in der nicht von Überfischung die Rede ist.

Zwar hacken wir weltwirtschaftlich gesehen weiterhin auf den Meeren rum, der Trend zu mehr Bewusstsein kommt hierzulande dennoch langsam an. Und genau daran bedient sich natürlich auch die Mode. Und so umgeben sich selbst nicht nachhaltig produzierende Labels dieser Tage mit dem schönen Schein. Frechheit oder trotzdem Teil der Bewusstseinserweiterung? Die ernüchternde Antwort lautet wohl: Sowohl als auch.

Louis Vuitton Men Spring 2018

In Berlin gehörten die WALD BERLIN Ladies Dana und Joyce zu den Ersten, die den Muschel-Trend umsetzten und ihr WALD-Comeback damit einläuteten. Und ihr Plan scheint aufzugehen: Von Leandra Medine über Camille Charrière und Maria Bernad bis Pandora Sykes: Alle lieben sie!

Auch Nina Kastens widmete sich mit ihrer Face Linie dem Meer und schmückte ihre feinen, güldenen Gesichter mit kleinen Süßwasserperlen: Eine Win-Win-Situation, die aufgeht und so schön ist, dass wir uns von Hals bis Fuß mit ihren Kreationen behängen könnten.

Denn das (von uns) gewünschte Ziel des Trends und der Unterschied zu den 90ern? Es gilt, schöne Assoziationen mit der Natur in Verbindung bringen und das Meer endlich wieder als einen wichtigen Lebensraum zu achten, um letztendlich hoffentlich dafür zu sorgen, dass wir nicht nur unseren Müll ordnungsgemäß entsorgen, sondern vielleicht gleich einfach weniger verbrauchen. Die Kreationen spielen mit Sehnsüchten vom Urlaub, der Freiheit, der unbelassenen Schönheit, unserer (meist doch) sorglosen Kindheit und mit dem Drang, der Natur wieder verbundener zu sein. Und genau dieser Meer-Fokus fügt sich nahtlos in den vorherrschenden (Interior-)Trend um Rattan und Bast ein, appelliert daran, die Natürlichkeit wieder zu zelebrieren und sie zu achten, um am Ende eben vielleicht doch etwas in uns zu bewegen.

Hübsche Bilder reichen bekanntlich nicht aus, schaffen vielleicht aber wieder Bewusstsein für das Schöne, die Natur und den Umgang mit ihr, um schlussendlich das Verhalten zu ändern – möglicherweise zumindest unterbewusst. Muschelketten, Perlenkreationen und Flechttaschen, die an Fischernetze erinnern, sollten jedenfalls stark an unser Bewusstsein appellieren. Oder was meint ihr? 

Bilder: Prada Fall 2017 via Vogue

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